Traumpfad Nette-Schieferpfad

Traumpfad mit Tunnelblick

Ein paar schöne Sonnentage in einem eher verregneten Mai locken ins Freie. Auf der Liste mit Wunschzielen steht schon länger der Nette-Schieferpfad aus der Reihe der „Traumpfade Rhein-Mosel-Eifel-Land“. Unter dieser Überschrift firmieren eine ganze Reihe gut ausgewählter und prämierter Wanderwege, von denen Richy und ich schon einige ausprobiert haben. Allesamt bisher mit Begeisterung. Vor allem brauchen wir uns keine Gedanken machen: Bisher waren alle Wege so gut markiert, dass Verlaufen beinahe unmöglich ist.

Nette-Schieferpfad

An der Nette

Nette-Schieferpfad

An der Nette

Nette-Schieferpfad

Entlang der Nette

Nette-Schieferpfad

Über dem Nettetal

Nette-Schieferpfad

Wasserstollen des Bergwerks “Margareta”

Ölmühle im Kleinformat

Nett ist ja bekanntlich die kleine Schwester von Blöd. Entgegen aller Vermutungen fließt die Nette jedoch nicht in die Blöde, sondern nahe Andernach in den Rhein. Damit ist dann schon mal die geografische Frage geklärt, wohin etwa diese Reise gehen wird. Nämlich in die Vulkaneifel.

Der Weg nimmt seinen Ausgangspunkt in Trimbs, östlich von Mayen. Trimbs war mir bisher gänzlich unbekannt. Das ist zwar nicht weiter verwunderlich, denn es gibt auf den ersten Blick nicht allzu viele Gründe, warum man sich ausgerechnet hierher verirren sollte. Aber ganz stimmt das natürlich nicht, denn der Ort ist nicht uninteressant. Früher gab es hier einmal eine Ölmühle. Die wurde noch im letzten Jahrhundert von einem Ollemüllechs Fritz bewohnt. Irgendwann war sie dann einsturzgefährdet und musste abgerissen werden. Inzwischen ist sie nur noch als Modell im Maßstab 1:12 vorhanden. Auch ein Römerturm, der in der Nähe des heutigen Wanderparkplatzes einmal gestanden hat, existiert weiter als Modell. Eine hübsche Kirche, zwei Denkmäler einzelne Gasthöfe, eine große Anzahl alter Schieferbergwerke. Und drüber hinaus, mehr als ein Bonus: Die unschlagbar schöne Natur rund um das Dorf.

Der Nette-Schieferpfad

Die “Ölmühle”

Nette-Schieferpfad

Zur schönen Aussicht

Nette-Schieferpfad

Blick ins Land

Nette-Schieferpfad

Der Nette-Viadukt

Nette-Schieferpfad

Auf steilen Wegen

Verkehrsreicher Beginn

Davon sehe ich erst einmal nur wenig. Wir überqueren die alte Steinbrücke über die Nette und fügen uns in den überdachten Charme des Wanderweges. Der verläuft unter der Talbrücke der Landstraße. Solange ich den Kopf nach rechts drehe, schaue ich immerhin auf das Ufergrün und hinüber zum Dorf. Wenn ich mir auch noch die Ohren zuhalte, ist es beinahe schön. Das ist jedoch – wie sich bald herausstellen wird – das einzige Teilstück der Wanderung, über das man geteilter Meinung sein  kann. Der Rest der Tour stellt sich als echtes Glanzstück heraus und der Wandertag als durch und durch gelungen.

Die Straße haben wir erst ein paar Schritte hinter uns, da stehen wir auch schon am Eingang zum Wasserstollen des Moselschiefer-Bergwerks “Margareta”. Wasserstollen wurden im Bergbau verwendet, um entweder ein ungleiches Grundwasserniveau zwischen draußen und drinnen auszugleichen oder um eine Gegend mit mehr Trinkwasser zu versorgen. Hier war es wohl das Wasser, das man nicht im Bergwerk haben wollte und deshalb mit dem Stollen nach außen leitete.  Ein künstlicher Zufluss zum Kellbach und wenig danach zur Nette.

Nette-Schieferpfad

Nette-Aue

Nette-Schieferpfad

Im Nettetal

Nette-Schieferpfad

Im Nettetal

Nette-Schieferpfad

Im Nettetal

Nette-Schieferpfad

Ehemalige Bahnstrecke

Im Blumenmeer

Von hier aus ist es in Katzensprung bis zur nächsten Attraktion, der Ölmühle. Einen kurzen Abstecher über die Brücke und am Wiesenrand entlang, dann sind wir schon da. Die Nette war einmal ein sehr „fleißiger“ Fluss, der nicht nur Mühlen gedreht hat, sondern auch in Papierfabriken entlang des Nettetals für Energie sorgte. Das ist inzwischen lange Vergangenheit. Dafür steht der ganze Bereich, in dem wir uns heute bewegen werden, unter Naturschutz. Sogar der Uhu ist hier mit einzelnen Brutpaaren vertreten. Den werden wir nicht sehen, er ist nachtaktiv. Solange werden wir nicht unterwegs sein.
Weiter geht es, nun bergauf und immer ferner der lauten Straße, die jetzt nur noch ein schwaches Rauschen im Hintergrund ist. Dafür ist es waldig und üppig grün. Schmetterlinge fliegen enge Kurven und versuchen Richy zu rammen. Und Blumen gibt es! Neben den Allerweltsblümchen Löwenzahn, Buschwindröschen und Hahnenfuß gerate ich über Goldnesseln und Himmelsschlüssel, Wolfsmilch und Veilchen – und bestimmt noch zwanzig weitere Blütenpflanzenarten in Verzückung. Im Stillen ärgere ich mich, dass ich mein Bestimmungsbuch zu Hause gelassen habe. Also verteile ich neue Namen. Horst, Gundula und Clemens habe ich unterwegs besonders oft am Wegrand entdeckt.

Nette-Schieferpfad

Tunnelblick

Nette-Schieferpfad

Die Nette

Nette-Schieferpfad

Fallende Wasser

Nette-Schieferpfad

Fallende Wasser

Nette-Schieferpfad

Fallende Wasser

Where-is-the-beer?

Dann sind wir oben auf der Talkante und genießen die Aussicht vom Burgkopf. Schön! Der Viadukt, über den früher einmal Züge fuhren, ist eine der Landmarken. Aber auch die umliegenden Städtchen und Dörfer tauchen zwischen den bewaldeten Hügeln auf – Hausen und die Ausläufer von Mayen.

Wenn es hoch geht, geht es auch wieder runter. Allerdings erst einmal auf halbe Höhe. Der Wanderweg schwenkt auf die alte Bahntrasse. Das ist inzwischen eine Radschnellweg, der Mayen und Polch verbindet. Wanderer sind jedoch willkommen und meist in der Mehrheit. Was jetzt kommt, stelle ich mir besonders lustig vor mit einer Schulklasse: Sobald wir den ersten Viadukt überquert haben, geht es durch den Tunnel! Ein Riesenspaß, tuuut tuuuut. Er ist zum Glück beleuchtet. Ohne Taschenlampe wäre das sonst ein Abenteuer der dritten Art.

Noch ein bisschen Abstieg, dann hat uns die Nette wieder. Ganz ursprünglich schlenkert sie durch den Auwald, in dem sich auch Elfen, Feen und Wassergeister wohlfühlen würden. Statt dessen summt und zwitschert es rund um uns herum. Der Buchfink brüllt sein „ziep-ziep-ziep-where-is-the-beer?“. Ich durchlebe die nächste Blühpflanzen-Euphorie und Richy fotografiert, was das Zeug hält.

Nette-Schieferpfad

Fischumleitung

Nette-Schieferpfad

Fischumleitung

Nette-Schieferpfad

Fischumleitung

Das Objekt der Begierde: Der Blauschiefer

Nette-Schieferpfad

Eher eine Seltenheit: Senkrechte Schieferschichtung

Fallende Wasser mit Fischumleitung

Das Tosen wird lauter. Da wird doch nicht …? Ist das etwa …? Ja, ein beachtlicher Wasserfall. Sogar mit einer Pausenbank daneben. Den Gedanken an die Niagarafälle habe ich mir hierzulande ja schon länger abgewöhnt. Wenn sich in der Gegend ein Wasserfall ankündigt, dann ist die Freude ja meist schon groß, wenn es sich dabei um eine Stufe von 30 cm handelt. Hier hingegen platscht das Wasser mit Schwung gut 2 m in die Tiefe. Das ist zumindest mal ein amtlicher Wasserfall.

Über die vielen Bachzuläufe rundherum bin ich etwas irritiert, denn von weiteren Bächen ist in meiner Karte nicht die Rede. Das klärt sich ein paar Meter weiter auf. Eine Infotafel erklärt, dass um den Wasserfall herum eine Fischumleitung gebaut wurde. War der Wasserfall vorher eine unüberwindbare Barriere für Fische, so können sie nun durch die Umleitung und weiter in Richtung Quelle schwimmen. Eine angenehme Wandergegend also, nicht nur für Fußgänger.

In einem Bogen verlassen wir jetzt die Aue. Auf dem Ufer, auf das wir beim Hinweg hinunter geschaut haben, geht es wieder zurück in Richtung Trimbs. Der Barbaraweg, auf dem wir dabei laufen, trägt seinen Namen nicht umsonst. Zur heiligen Barbara wandten sich die Bergleute um Schutz. Viele Bergwerke tragen daher auch den Namen der Schutzheiligen. Hier auf dem Barbaraweg laufen wir an einer ganzen Galerie Stolleneingänge vorbei. Die meisten davon werden heute nicht mehr aktiv genutzt. Fast alle Abbaukammern wurden privat von den Trimbsern betrieben. Während die meisten Stollen mit Gittern verschlossen sind, können einzelne nach wie vor betreten werden. Dort ist es modrig und kühl. Und sogar ein Schiefer-Tagebau liegt am Weg. Hier tummeln sich Eidechsen zwischen typischer Magerwiese.

Nette-Schieferpfad

Auf dem Weg zu den Schieferstollen

Nette-Schieferpfad

Alter Schieferstollen

Nette-Schieferpfad

Schieferpfad

Nette-Schieferpfad

Schiefer

Nette-Schieferpfad

Durchbruch

Wir erreichen die Höhe

Man kann sich gut vorstellen, dass hier der Wein einmal gut gedeihen konnte. Die Überreste der alten Weinberge erkennt man noch deutlich. In der Anfangszeit von Trimbs leisteten die Bewohner dem Kloster Kaufungen Frondienst. Damit wird wohl auch ein Teil des Messweines hier gekeltert worden sein.

Zeit für eine weitere Pause. Die könnte keinen besseren Platz verdienen, als den Aussichtspunkt Kretzerslay. Das ist eine der Schieferklippen, die die hiesigen Felsen zu bieten haben. Sie erhebt sich hoch über dem Flusstal. Meine Schuhe haben genug Griff, einen schmalen Pfad gibt es auch. Und schwindelfrei bin ich ebenfalls. Beste Bedingungen also.

Dann ändert sich der Charakter der Tour noch einmal, und nicht zum letzten Mal. Wir erreichen nämlich die Hochebene oberhalb von Trimbs und blicken auf leuchtend gelbe Rapsfelder. Hausen, Mendig und Kruft liegen idyllisch zu Füßen der Berge, die vor gar nicht langer Zeit durch Vulkanismus entstanden und daher der Vulkaneifel zu ihrem Namen verhalfen. An qualmende Lava erinnert das nicht. Eher an ländliche Idylle. Dennoch ist die Eifel aktiv. In nicht so ferner Zukunft könnten einzelne Vulkane auch ausbrechen. Am liebsten, wenn ich nicht gerade hier unterwegs bin.

Nette-Schieferpfad

Die Kretzerslay

Nette-Schieferpfad

Der Schiefer begleitet uns

Nette-Schieferpfad

Auf der Höhe

Nette-Schieferpfad

Welling

Nette-Schieferpfad

Auf der Höhe

Ein letzter Anstieg

Der Ort kommt näher. Auch die Landstraße mischt sich erneut ins Vogelgezwitscher. Damit sind wir jedoch noch lange nicht am Ziel. Vielmehr erklimmen wir noch eine weitere Anhöhe, nämlich den Mühlenberg, einen Bergrücken, der Trimbs und Welling voneinander trennt. Drumherum fließt die Nette in einer Schleife. Großzügig breitet sich die Talebene darum. Wäre Nacht, dann könnten wir hier nach dem Uhu Ausschau halten. Stattdessen finde ich die alte Steintreppe sehr interessant, die wir jetzt erreichen. Vielleicht haben Kelten sie errichtet. Spätestens jedoch zur römisch-keltischen Zeit muss sie entstanden sein. Und ist immer noch begehbar! Unten, am Treppenende, wäre noch ein toller Pausenplatz – mit Bank. Den brauche ich jetzt jedoch wirklich nicht mehr, denn die anderen beiden Pausen waren ausreichend.

Vorhin auf dem Barbaraweg gab es bereits kurze Wegstellen, die etwas schwieriger – weil auf schmalem Pfad – verliefen. Jetzt zieht die Schwierigkeit des Weges noch einmal ein bisschen an. Das macht riesigen Spaß und lässt keine Langeweile aufkommen. Welling rückt ins Bild. Mit Kirchturm und roten Dächern könnte man sich an einen Bausparkatalog erinnert fühlen. Es wirkt jedenfalls prächtig und genau richtig platziert. Wie hübsch das Dorf wirklich ist, sieht man jedoch am besten aus der Nähe. Schauen wir und gleich nochmal gründlich an.

Nette-Schieferpfad

Aussicht ins Nettetal

Nette-Schieferpfad

Auf dem Mühlenberg

Nette-Schieferpfad

Welling

Nette-Schieferpfad

Welling

Vorbei an Welling

In Serpentinen geht es hinunter zum Fluss. Inzwischen ist die goldene Stunde angebrochen und taucht alles in so strahlendes Licht, dass es wie ein Tusch zum Abschluss wirkt. Graureiher fliegen vorbei, landen gar nicht weit entfernt und stehen auf unnachahmliche Art starr in der Landschaft. Wir nehmen die letzte Kurve, bevor der Parkplatz wieder auftaucht. Hier können wir noch einen Blick auf das Römerturm-Modell werfen, dann endet die Tour. Eine durchweg lohnende Wanderung, eben ein echter Traumpfad!

Wanderinfos zum Traumpfad Nette-Schieferpfad

Länge:  9,8 km
Höhenmeter bergauf/bergab: 376 m/376 m

Start: Wanderparkplatz an der Hauptstraße in Trimbs, direkt an der Nettebrücke. Der Weg ist perfekt markiert, daher ist die Wegfindung kein Problem.

Gehrichtung: Vom Parkplatz aus über die Nettebrücke und dann unter der Bundesstraße der Markierung folgend. Am Startpunkt findest du auch eine gute Übersichtskarte.

– Anreise mit dem Auto:

A 61 bis Ausfahrt “Mendig, Nr.34”, dann Richtung Mayen auf der B262. Bei der Ausfahrt Kottenheim/Thür Richtung Thür. Ab hier wird Trimbs ausgeschildert. Sobald du den Ort erreichst, biegst du rechts in die Hauptstraße. Dann gleich wieder rechts in die Umgasse und bei nächster Gelegenheit links in die Kirchstraße. Diese führt im Bogen an der Kirche vorbei. Danach biegst du rechts in die Hauptstraße ein und siehst schon den Parkplatz nahe der Nette.

– Anreise mit Bus und Bahn:

Mit dem Zug bis Mayen, dann mit dem Bus 337 Richtung Hatzenport bis Haltestelle Trimbs Nettebrücke. Hier startet die Tour.

Weitere Infos findest Du hier:

Traumpfade
Trimbs
Verkehrsbetrieb VRM

Nette-Schieferpfad

Nettetal