Eifelschleife Ab in den Wald!

Es war in den frühen 80er Jahren, als der Komiker Otto erfolgreich war, mit Witzen wie diesem: „Frau Surbier, sie wohnen jetzt seit sechs Jahren an der Autobahn. Gibt es irgendwelche Folgeschäden?“ – „Neieieiein, neieieieiein, neieieieiein, … “ Wir machen dazu heute mal den Selbstversuch und wandern in direkter Nähe der A1.

Eifelschleife Ab in den Wald

Die Katzensteine

Eifelschleife Ab in den Wald

Die Katzensteine

Eifelschleife Ab in den Wald

Die Katzensteine

Eifelschleife Ab in den Wald

Die Katzensteine

Eifelschleife Ab in den Wald

Die Katzensteine

Schwungvoller Start mit Unterbrechung

Die Tour, die wir uns vorgenommen haben, trägt den Namen „Ab in den Wald!“ und gehört zu den „Eifelschleifen“. Das ist eine Sammlung von hochgelobten Wanderungen. Diese hier hat ebenfalls recht gute Bewertungen bekommen, wenngleich der offizielle Beschreibungstext eher nichtssagend ist. Es geht hauptsächlich durch den Wald. Das ist völlig ok. Ich brauche kein großes Spektakel und Wald ist immer schön! Also laufe ich los, ohne besondere Erwartungen. Wird schon passen.

Wobei – loslaufen, davon kann zuerst einmal nicht die Rede sein. Denn schon sehr bald gerät die Wanderung ins Stocken. Und das aus einem wirklich schönen Grund. Denn nicht weit vom Wanderparkplatz entfernt befindet sich bereits das erste Highlight der Rundtour: Die Katzensteine.

Eifelschleife Ab in den Wald

Die Katzensteine

Eifelschleife Ab in den Wald

Die Katzensteine

Eifelschleife Ab in den Wald

Auf den Katzensteinen

Eifelschleife Ab in den Wald

Die Katzensteine

Eifelschleife Ab in den Wald

Die Katzensteine

Die Katzensteine

Das sind eindrucksvolle Buntsandsteinfelsen von unglaublicher rosa Farbe. Wenn die Sonne darauf fällt, wirkt es ein wenig, wie im Antelope Canyon. Nur viel, viel kleiner. Und nicht so heiß. Zu Richys wilder Jugendzeit gab es an den Katzensteinen ein paar Kletterrouten und auch einige knackige Boulder. Das ist inzwischen verboten. Zwischen den Felsen herumzulaufen geht jedoch immer noch und macht riesigen Spaß. Es ist auch möglich auf einzelne der Felsen hinaufzusteigen. Tolle Aussicht und feine Kraxelei! Dort oben hat sich die halbe Menschheit im Sandstein verewigt. Etliche geritzte Herzen und die Botschaft, wer alles hier war.  Eine der Schattenseiten, als Fels berühmt zu sein.

Neuzeitliche Wandertouristen sind jedoch nicht die einzigen, die hier ihre Spuren hinterlassen haben. Eine Infotafel belehrt darüber, dass auch Menschen der Steinzeit schon hier siedelten. Die Römer haben ganze Quader aus dem Fels geschnitten. Oben auf dem Hauptfelsen sieht man noch die rechtwinkligen Einschnitte. Außer einer Trittspur – einer möglichst unscheinbaren – hoffe ich, nichts hier zurückzulassen. Die Felsen sind wunderschön und sollen es wegen mir noch lange in dieser Form bleiben.

Eifelschleife Ab in den Wald

Am Wegesrand

Eifelschleife Ab in den Wald

Durchblick

Eifelschleife Ab in den Wald

Lady in red

Eifelschleife Ab in den Wald

Baumallee

Eifelschleife Ab in den Wald

Im Wald

Im Wald

Haben wir ein wenig die Zeit vergessen? Ja, ja haben wir. Aber es gibt ja auch genug davon! Dem Wald wollten wir ja heute einen Besuch abstatten. Und das tun wie nun auch. Einem grünen, üppigen, dichten, waldigen Wald. Hauptsächlich Eichen und Kiefern. Aber auch Birken, Buchen, Hainbuchen, Tannen, Ebereschen und vieles mehr. Ein wirklich schöner und lebendiger Wald ist das.

Gerade in den letzten drei Jahren wurden Wanderungen durch den Wald ja oft zur deprimierenden Konfrontation mit den Folgen der Hitze und der Trockenheit. In diesem Frühjahr gab es eine kleine Atempause für den Wald. Es war ungewöhnlich kühl und hat viel geregnet. Viele der Frühlingsblumen sind jetzt, Anfang Juni, gerade erst verblüht. Das ist ungewöhnlich. Auch wirkt alles außergewöhnlich üppig. Dazu kommt, dass es hier fast keine Monokulturen zu geben scheint. Bisher sind wir an so etwas zumindest noch nicht vorbeigekommen. Die Waldschäden fallen daher fast gar nicht ins Auge.

Eifelschleife Ab in den Wald

Am Wegesrand

Eifelschleife Ab in den Wald

Am Wegesrand

Eifelschleife Ab in den Wald

Blick in die Eifel

Eifelschleife Ab in den Wald

Wegimpression

Eifelschleife Ab in den Wald

Wegimpression

An der A 1

Klar, unsere Landschaften werden sich verändern. Vielleicht hält dieser Wald jedoch etwas länger stand. Das wäre schön. Was jedoch nach den ersten paar trockenen Tagen bereits besteht, das ist die Waldbrandgefahr. Hat man im Wald ja meistens. Allerdings ist in den vergangenen Jahren viel trockenes Holz am Waldboden hinzugekommen. Das ist wichtig für einen natürlichen und artenreichen Wald, birgt jedoch eben auch Gefahren. Als Nichtraucher bringen wir eine Quelle für den Waldbrand schon mal nicht mit. Es würde mir auch nie einfallen, unterwegs ein Lagerfeuer oder  einen Grill zu entzünden. Dennoch sieht mal so manches, wenn man viel unterwegs ist.

Das Geräusch der Autobahn wird langsam lauter. Der Selbstversuch beginnt. Macht schwungvoller-Start-mit-Unterbrechung-wandern auch entlang der A1 Spaß? Antwort: Ja! Zu sehen ist die breite Fahrspur nur kurz, dann verschwindet sie auch schon hinter Dickicht. Und der Wald, die Lichtungen und der üppige Bewuchs spielen wieder die Hauptrolle. Was soll ich sagen? Die Geräusche lassen sich zwar nicht leugnen. Der optische Reiz, den die Landschaft hat, ist jedoch stärker. Oder ich bin als Großstädterin einfach abgestumpft? Jedenfalls gefällt es mir hier.

Eifelschleife Ab in den Wald

Bei Rißdorf

Eifelschleife Ab in den Wald

Bei Rißdorf

Eifelschleife Ab in den Wald

Am Waldrand

Eifelschleife Ab in den Wald

Blick Richtung Antweiler

Eifelschleife Ab in den Wald

Im Wald

Der Astropeiler

Felder tauchen auf, mal Raps, mal Weizen, mal Gerste. Und der Weg führt nun am Waldrand entlang. Das lenkt den Blick automatisch in die Ferne. Auf einem der gegenüber liegenden Hügel erkenne ich eine Unebenheit. Sieht aus, wie eine wunderliche Zacke. Ein zerschelltes UFO? Mit bloßem Auge schwer zu sagen. Ein Waldstück später, dass wir durchqueren, knickt unser Weg nach Westen. Nun ist das Objekt deutlicher zu erkennen: Ein Teleskop! UFO wäre auch zu unwahrscheinlich gewesen.

Es handelt sich hierbei um den Astropeiler, dem ersten Radioteleskop, dass in Deutschland errichtet wurde. Wenn du bei Radioteleskop an das Gerät denkst, was in der Küche auf dem Kühlschrank steht und lustige Liedchen dudelt, dann liegst du nur fast richtig. Näher dran bist du tatsächlich mit dem Mikrowellen-Gerät gleich daneben. Radiowellen und Mikrowellen gehören – genau wie der Strom in der Leitung, wie das Sonnenlicht und die Röntgenstrahlung – zur großen Familie der elektromagnetischen Wellen.

Der Autopeiler lauscht seit 1957 auf Mikrowellen-Signale aus dem Weltraum. Kocht da jemand Fertiggerichte im All? Nee nee, das vermutlich eher nicht. Da wir immer und überall von elektromagnetischer Strahlung umgeben sind, schauen sich Astronomen gerne einzelne Ausschnitte aus diesem Spektrum an. Am liebsten Bereiche, die über weite Strecken zur Erde gereist sind und daher viel über ferne Objekte erzählen können. Das ist ein spannendes Thema und ich freue mich schon darauf, wenn in Zukunft eine Besichtigung des Autopeilers wieder möglich sein wird. Vorerst wandern wir mal weiter.

Eifelschleife Ab in den Wald

Im Wald

Eifelschleife Ab in den Wald

Im Wald

Eifelschleife Ab in den Wald

Wegimpression

 

Eifelschleife Ab in den Wald

Der Astropeiler

Eifelschleife Ab in den Wald

Der Astropeiler

Wieder im Wald

Noch einmal dominiert die Autobahn die Landschaft – aber nur kurz: Eine Fußgängerbrücke befördert uns wieder zurück auf die andere Straßenseite. Dann verschwindet die Verkehrsader nicht nur aus dem Blickfeld, sondern ist auch erstaunlich schnell nicht mehr zu hören. „Wir wandern jetzt schon einige Zeit neben der Autobahn. Gibt es irgendwelche Folgeschäden?“ Nö, ich merke nichts. Selbstversuch beendet.

Dafür geht es nun wieder durch den Wald. Zuerst aufgelockert, mal rechts, mal links des Weges. Etwas hügeliger wird es hier auch, als jenseits der Autobahn. Angenehm unaufgeregt. Erstaunlich viele Hochsitze sprechen eine deutliche Sprache: Hier wird gejagt! Allerdings gerade im Moment nicht. Dafür bieten sich einige der Holzgerüste als prima Pausenplatz an. Sozusagen mit Premium-Aussicht.

Eifelschleife Ab in den Wald

Bei Weiler am Berge

Eifelschleife Ab in den Wald

Rot

Eifelschleife Ab in den Wald

Linien

Eifelschleife Ab in den Wald

Kurzer Kontakt

Eifelschleife Ab in den Wald

Solitär

Kleine Variante

Bis jetzt bin ich mit allem sehr zufrieden. Bis auf die Felsen ganz zu Anfang ist der Weg wirklich sehr beschaulich und unaufgeregt. Das könnte so weitergehen. Allerdings habe ich von Aufschlüssen in der Nähe gehört. Das möchte ich mir gerne ansehen. Dafür biegen wir vom ausgeschilderten Pfad ab. Nur ein klein wenig. Neben dem Weg ist nun eine Art niedriger Damm erkennbar. An mehreren Stellen gibt es eine Lücke in diesem Damm. Und hier zeigt sich nun auch, worum es sich bei dem Damm handelt: Um die römische Wasserleitung. Die Lücken – oder auch „Aufschlüsse“ genannt – sind gewissermaßen Löcher in dem sehr intakt wirkenden Bauwerk.

Als die Römer 50 Jahre vor unserer Zeitrechnung den Grundstein zum späteren Köln legten, müssen sie schon bald bemerkt haben, dass das Rheinwasser bestenfalls ungenießbar ist. Da liegt es ja nahe, einfach mal eine ca. 100 km lange Wasserleitung in die Eifel zu bauen. Eine sagenhafte Ingenieurleistung. In Köln wurden Teilstücke, der dort unterirdischen Leitung, herausgeschnitten und oberhalb auf dem Gehweg wieder aufgestellt. So kann sich jeder ansehen, was die Römer damals gebaut haben. In Köln ein sehr beliebtes Fotomotiv – weil man sich als kleiner Mensch so schön dort hineinstellen kann. Und die Großen beim selben Bild so alberne Verrenkungen machen müssen.

Eifelschleife Ab in den Wald

Aufschluss Wasserleitung

Eifelschleife Ab in den Wald

Aufschluss Wasserleitung

Eifelschleife Ab in den Wald

Aufschluss Wasserleitung

Haus Gut Hombusch

Hier in der Eifel liegt die Leitung teils unterirdisch, teils oberirdisch und manchmal – wie in diesem Wald – so dazwischen. Ein Erdwall bedeckt die Leitung. Wäre der nicht da, dann schaute ein Teil der Leitung aus dem Boden hervor. An den Aufschlüssen könnte man theoretisch im Entengang bis nach Köln los marschieren. Dazu hat weder Richy noch ich große Lust. Nicht mal 50 km von hier, das müsste doch Spaß machen! Allerdings ohne Garantie, dass nicht irgendwo etwas eingestürzt ist. Und ein Ausgang in Köln ist mir auch nicht bekannt. Also nur so eine mäßig gute Idee.

Und dann gibt es noch etwas zu sehen: Das Haus Gut Hombusch. Liegt ebenfalls ein wenig neben dem offiziellen Weg, ist aber ebenfalls interessant genug, damit ich einen kleinen Schlenker in die Tour einbaue. Was aussieht, wie eine mittelalterliche Burganlage oder ein Gutshof, ist in Wirklichkeit erst Anfang des letzten Jahrhunderts von einem Kölner Bankier erbaut worden – wahrscheinlicher  erbaut worden lassen. Die Familie Deichmann verbrachte hier im Wald die Ferien. Mit allem damaligen Komfort: Um elektrisches Licht und fließend Wasser zu haben, wurde die Feyermühle, eine Wassermühle unten am Vey-Bach, mit einem Schöpfwerk und einer Turbine ausgestattet. Ein Ferienhaus mit eigenem Kraftwerk und dazu einem der ersten der Eifel! Heute befindet sich hier – neben dem Wohnhaus der Familie Nesselrode auch der Sitz der Forstverwaltung.

Eifelschleife Ab in den Wald

Haus Gut Hombusch

Eifelschleife Ab in den Wald

Haus Gut Hombusch

Eifelschleife Ab in den Wald

Ebenen

Naturnahes wirtschaften

Wie die allermeisten Waldflächen in Deutschland, so ist auch der Wald, durch den wir gerade gewandert sind, im Privatbesitz. Schon seit vielen Jahren ist der Eigentümer jedoch darauf bedacht, möglichst naturnah zu wirtschaften. Das ist vorbildlich und zahlt sich gerade jetzt aus. Je widerstandsfähiger der Wald ist, umso besser wird er in den kommenden Jahren extremes Wetter überstehen. Je mehr Wald uns umgibt, umso mehr CO2 wird gebunden, umso mehr Luft wird gekühlt, Wasser gefiltert, umso mehr Lebensraum bleibt bestehen für Tiere und Pflanzen. Holz als Baustoff bindet ebenfalls CO2. Und das für meist längere Zeiträume, als es bei Beton- oder Ziegelbauten der Fall ist. Damit ist gegen nachhaltige Holzwirtschaft wenig zu sagen. Und natürlich ist und bleibt der Wald eine Seelenlandschaft. Das müssen wir bewahren.

Bevor wir wieder bei den Katzensteinen vorbeikommen und damit der Weg für heute sein Ende findet, läuft uns noch eine Blindschleiche über den Weg. Sehr gemächlich und ohne Beine. Eine der sonderbarsten unter den Eidechsen. Denkt die Blindschleiche über uns vermutlich auch: Sonderbare Säugetiere. Wer läuft schon auf zwei Beinen?

Eifelschleife Ab in den Wald

Ab in den Wald!

Infos zur Wanderung:

Länge: 9,2 km
Höhenmeter bergauf/bergab: 198 m / 198 m

Start: Auf dem Wanderparkplatz „Katzensteine“ an der L61 zwischen Satzvey und Katzvey.


– Anreise mit dem Auto:

Auf der A1 bis Abfahrt „Wißkirchen, Nr.111“, dann Richtung Satzvey und durch den Ort hindurch bis zur Landstraße L61. Nach rechts Richtung Katzvey. Nach ca. 2,7 km findest du den Wanderparkplatz auf der linken Fahrbahnseite.

– Anreise mit Bus und Bahn:

Mit Bus und Bahn kommst du leider nur montags bis freitags zu den Katzensteinen.

Mit der Bahn bis Bahnhof Mechernich, dann mit dem Bus Linie 893 bis Katzvey. Die Haltestelle befindet sich in der Straße Am Katzenstein. Zwischen Haus Nr.17 und Nr.19 läuft ein Fußweg direkt bis zum Startpunkt. Die Tour verlängert sich mit Hin- und Rückweg um ca. 1 km.

Weitere Infos findest du hier: 

 

Wegbeschreibung:

Vom Start aus ist die Tour durchweg super ausgeschildert. Du folgst einfach dem Zeichen „Eifelschleife, Ab in den Wald!“. An zwei Stellen sind wir von der regulären Wanderung abgewichen:

1) Nachdem du zum zweiten Mal die Autobahn überquert hast, folgst du dem Wanderweg bis du zur Rechten und zur Linken Wald hast. Der Weg knickt erst leicht nach rechts, dann nach links. Etwa 200 m nach dem Linksknick findest du rechts einen Abzweig mit einem Schild „Bitte nicht reiten!“. Hier entlang und bei nächster Gelegenheit nach links, findest du nach weiteren 100 m rechts einen abzweigenden Weg. Hier ist auch schon der erste Aufschluss. Folge dem Weg zu weiteren drei Aufschlüssen und dann zu einer T-Kreuzung. Hier nach links kommst du auf den ausgeschilderten Wanderweg zurück. Du gehst nun nach rechts weiter.

2) Wieder auf dem Wanderweg kommst du nach 400 m an eine Weggabelung. Die Wanderung läuft nach links, leicht bergab. Gehst du statt dessen hier nach rechts und bergauf, dann kommst du zum Gut Hombusch. Wir sind danach auf gleichem Wege wieder bis zur Gabelung zurückgegangen und haben uns dann bis zum Schluß an die Markierung gehalten.

 

Wegbeschreibung als PDF Downloaden

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