Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Das Tal von Gásadalur liegt umrahmt von hohen Bergen an der Küste der Insel Vágar. Ein weites Tal – aber abgeschnitten vom Rest der Insel. Die steile Treppe hinunter zum Meer ist nur bei mildem Wind begehbar. Unten kann bei ruhiger See und auch nur bei Flut ein Boot anlanden. Wie ist es möglich, dass sich hier ein ganzes Dorf angesiedelt hat und die Menschen mit allem versorgt waren, was sie zum Leben brauchen?

Der Start mit Blick auf Drangarnir und Tindhólmur

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Drangarnir

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Drangarnir

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Blick in den Sørvágsfjørður

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Tindhólmur

Leben in Abgeschiedenheit

Die Frage drängt sich mir auf, als ich zum ersten Mal das Dorf erreiche. Bequem durch den Tunnel, über dessen Eingang die Zahl „2006“ prangt. Denn erst seitdem ist Gásadalur mit dem Auto erreichbar. Ein Blick auf die Karte zeigt einen Wanderweg, der im Zickzack über den Berg und in den Ort führt. Der Name des Weges „Old Mail Route“ verrät, auf welchem Wege die Bevölkerung vorher versorgt wurde.
„Dreimal pro Woche lief bis 2004 der Postbote über den Berg. Bei jedem Wetter. Genau wie sein Vorgänger und dessen Vorgänger.“ , erzählt mir der Besitzer des Woll- und Souvenirgeschäfts in der Mitte des Dorfes. „Ursprünglich war dieses Haus, in dem wir jetzt stehen das Haus des Postboten. Die erste Briefmarke der Färöer-Inseln zeigt ihn. Wir sagen, dass das der erste Postbote auf der Insel war, in Wirklichkeit war jedoch sein Bruder der erste. Aber einer der ersten war er in jedem Fall.“

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Blick in den Sørvágsfjørður

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Mykines

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Wegimpression

Auf dem Pass mit Blick auf Gásadalur

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Auf dem Pass mit Blick auf den Heinanøva

Anstrengender Job

Was für eine außergewöhnliche Kondition er gehabt haben muss, merken wir, als wir uns selber auf den Weg über den Pass machen. Dafür parken wir das Auto am Ziel in Gásadalur und trampen durch den Tunnel zum Start des Postweges.
Der steigt zügig in Serpentinen den Hang hinauf. Nahe der Klippe zum Meer haben wir einen fantastischen Blick auf Mykines, Tindhólmur und die südliche Fjordseite des Sørvágsfjørður. Weiter im Hintergrund tauchen auch Koltur und Hestur hinter den Bergen auf. Wunderbar, dass es heute so sonnig und klar ist.
So schnell, wie wir an Höhe gewinnen, so anstrengend ist auch der Aufstieg. Die Wegspur durch den Grashang wird schließlich ebener. Wir laufen nun parallel zum Hang. Noch ein paar hundert Meter, dann kündigt ein Steinmännchen den höchsten Punkt und den Pass hinunter zum Dorf an.

Keldan Vivd

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Gásadalur mit Múlafossur

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Mykines

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Abstieg nach Gásadalur

Der Kohleofen

Noch bevor der Tunnel im Jahr 2006 offiziell eingeweiht wurde, war es in den beiden Jahren zuvor für die Dorfbewohner möglich, durch den Berg hindurch ihr Tal zu erreichen. Zu der Zeit war es schon lange üblich, Waren aller Art im Internet zu bestellen. Ob der Postbote denn auch solche Pakete geliefert hat, will ich von meinem Gesprächspartner wissen. „Ja, sicher. Besonders in der Weihnachtszeit hatte er viel zu tragen. Das hat er auch immer alleine gemacht, hatte also keinen Gehilfen.“
Beim Rundgang durch sein Geschäft weist der Besitzer auf einen gusseisernen Kohleofen, der vor etwa einer Generation mit dem Boot bis in den kleinen Hafen am Ende der Treppe geliefert wurde. Zwei Seemänner luden damals den Ofen aus und hievten ihn auf den Rücken des Postboten. Der trug das schwere Stück alleine die etwa hundert Stufen bis ins Dorf. Unvorstellbar.

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

In der alten Poststation

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Der Kohleofen

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Neue Nutzung: Waren aus der Region

Auf dem alten Postweg nach Gásadalur

Das Postmuseum

Ausklang im Cafe

Auf unserer Wanderung schauen wir nun vom Pass hinab und beginnen den Abstieg. Der ist wesentlich steiler als es der Aufstieg war, läuft über einen deutlichen Pfad durch Felsen hinab ins Tal. Als Wanderer kenne ich solche Pfade aus den Alpen. Die Tritte sicher zu setzen, nicht auf den losen Steinen ins Rutschen zu kommen, konzentriert zu bleiben, das ist hier unerlässlich. Mit nur einem leichten Rucksack auf dem Rücken, kein Problem. Alles andere kann ich mir hier nicht vorstellen.
„Wir sind, was das angeht mittlerweile verdorben. Wenn früher jemand im Tal Besuch bekam und der Kaffee oder der Zucker für die Kaffeetafel war gerade alle, dann ist man eben über den Berg und die zehn Kilometer bis ins nächste Dorf gelaufen. Die Berge waren so normal und die langen Wege auch.“ Für mich reicht die Wanderung über den Berg für heute jedenfalls. Ein wunderschöner Weg mit einer beeindruckenden Geschichte.

 

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Das Cafe in Gásadalur

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Das berühmte Fotomotiv