Du bist nicht allein

Da haben wir ja noch mal Glück gehabt! Eben sind Richy und ich mit einer guten halben Stunde Verspätung im Bahnhof von Sylt angekommen. Voll war es im Zug, ordentlich voll, ja unangenehm voll. Und nicht nur der Zug auf die Insel quoll schier aus allen Nähten, jedes vermietbare Bett und auch jeder Leihwagen der Insel ist vergeben. „Wärt Ihr in der nächsten halben Stunde nicht aufgetaucht, dann hätte ich weiter vermietet.“ So jedoch nehmen wir den Mietwagen in Empfang, unsere Entdeckungstour kann beginnen.

Fahrt über den Hindenburgdamm

Fahrt über den Hindenburgdamm

Fahrt über den Hindenburgdamm

Fahrt über den Hindenburgdamm

Leuchtturm List-West

Leuchtturm List-West

Sylt – in aller Munde

Unter meinen Bekannten gibt es genau zwei Gruppen, die ich ausmachen konnte. Erstens diejenigen, die schon auf Sylt waren und bei dem Stichwort umfangreich zu erzählen beginnen. Und zum anderen die, die noch nicht da waren. Erstaunlicher Weise wissen auch letztere eine Unmenge über Sylt zu berichten und praktisch jeder hat eine Meinung. Ich gehörte bis jetzt zu letzterer Gruppe.

Leuchtturm List-West

Leuchtturm List-West

Leuchtturm List-West

Leuchtturm List-West

Weg durch die Düne

Dünenweg

Die Reichen und Schönen, die sich zum Champagner trinken in der Sansibar treffen. Das Klima, dass auch im Sommer seine Reize hat und dem Kurgast zu besserer Haut und freien Lungen verhilft. Die Dekadenz, die Freizügigkeit und das Selbstverliebte an textilen und textilfreien Stränden. Und der Stoßseufzer „Ich will zurück nach Westerland…“ mit und ohne jene Prise Ironie.

Strandhafer

Strandhafer

Strandgut

Strandgut

Am Ellbogen

Am Ellbogen

Und jetzt wir – Silvester auf Sylt

Und nun fahre ich selber mit Richy nach Sylt. Im Winter, genauer gesagt ein paar Tage über Silvester. Mit der Bahn. Zum Zelten. Wie soll da das typische Sylt-Feeling aufkommen? Wir werden sehen.

Wie sich herausstellt, ergeben sich eine Hand voll Unannehmlichkeiten, die jedoch voll und ganz durch die Vorzüge dieser Art zu reisen aufgewogen werden.

Priel an der Westküste

Priel an der Westküste

Priel an der Westküste

Priel an der Westküste

Blaue Stunde in Munkmarsch

Blaue Stunde in Munkmarsch

Zu unmenschlicher Tageszeit

Die Reisezeit – ein Diktat der DB. Oder vielmehr unserer Spontanität. Als wir uns für die Insel entschließen, ist ein Gutteil der Fahrkarten schon weg. So haben wir die Wahl „unmenschlich früh“ um fünf Uhr morgens unsere Reise anzutreten oder erst gegen Mitternacht am Ziel anzukommen. Das ist natürlich sinnlos, da dann weder die Autovermietung noch der Campingplatz geöffnet ist. Also früh fahren – auch wenns schmerzt. Darüber hinaus müssen wir einmal umsteigen – nur wenige Minuten von einem Gleis zum anderen und das trotz möglicher Verspätungen. Alternativ eine etwa einstündige Wartezeit. Dann die Schlepperei. Alles, was wir brauchen, tragen wir auf dem Rücken oder ziehen es auf Rollen hinter uns her. Der Kampf um den letzten Stehplatz im überfüllten Bummelzug. Acht Stunden lang.

Auf der Uwe-Düne

Abenddämmerung auf der Uwe-Düne

Auf der Uwe-Düne

Abenddämmerung auf der Uwe-Düne

Hörnumer Hafen

Hörnumer Hafen

Aber klarer Vorteil: Eine volle Mütze Schlaf, kein Stop-and-Go auf der Autobahn, kein lästiger Check-In. Und, solange wir mit dem ICE unterwegs sind, reservierte Plätze – wundervoll! Die erste Attraktion ist die Fahrt über den Hindenburg-Damm. Während die Sonne immer wieder durch die Wolken spinkst, rollen wir durch das Wattenmeer der Insel entgegen (die durch den Damm quasi keine Insel mehr ist).

Der Mietwagen ist in den nächsten Tagen unser größter Luxus, jedoch auch eine Notwendigkeit. Denn wir wollen viel unterwegs sein – zu Fuß, aber auch an den unterschiedlichsten Ecken der Insel.

Strandcafe in Hörnum

Strandcafé in Hörnum

Leuchtturm in Hörnum

Leuchtturm in Hörnum

Leuchtturm in Hörnum

Leuchtturm in Hörnum

Zimmer frei

Sylt besitzt gut 40 km Sandstrand, fast eben so viel Wattenmeerküste, drei Wanderdünen, fünf Leuchttürme, elf Ortschaften und acht Campingplätze. Bei dreien hatten wir vor der Fahrt angerufen und gleich zwei positive Antworten bekommen. „Klar können Sie zelten. Wenn Sie meinen, dass Sie das wollen?!“ Ja, wollen wir! Unser Platz ist mitten in den Dünen, urgemütlich und zudem windgeschützt und jetzt, in der Nebensaison, auch durchaus erschwinglich. Die mitgebrachten Sandheringe hätten wir uns jedoch sparen können. Der leiseste Windstoß bringt sie wieder zum Vorschein. Und so schleppe ich erst einmal Steine. Damit hälts!

Tatsächlich sind wir nicht die einzigen. Ein weiteres Zelt steht in Rufweite und ist dann wohl unsere Nachbarschaft.

Westerland-Hilton

Unser Hotel

Dünenlandschaft mit Steg zum Strand

Dünenlandschaft mit Steg zum Strand

Dünenlandschaft im Norden

Dünenlandschaft im Norden

Silvester auf Sylt – Du bist nicht allein

Und sonst ist es voll. In Westerland, in Kampen, in Hörnum und List. Es ist voll in der Fischbude, im Supermarkt, an den beliebten Stränden vom Ellbogen, von Wenningstedt und von Westerland. Sicher, auch in den Museen der Insel, denn ein wenig unbeständig ist es schon. Und dann ist Silvester-Abend und es ist gerappelt voll in allen Lokalen und schließlich auch vor der Musikmuschel der Westerländer Strandpromenade.

Hier sorgt ein DJ bis zum Jahreswechsel für gute Laune und alle DJ-Ötzi-Fans sind aus dem Häuschen. Trotz oder wegen des Böller- und Feuerwerkverbots auf ganz Sylt sorgt die Kurverwaltung für die optische Untermalung. Sehe ich irgendwo Berühmtheiten? Keine Ahnung – es ist zu dunkel. Dann frischt der Wind aus Südwest auf, ein leichter Regen setzt ein und alle strömen zurück in Ihre Hotels und Zweitwohnungen.

Dünenlandschaft im Norden

Dünenlandschaft im Norden

Deutschlands grösste Wanderdüne bei List

Deutschlands größte Wanderdüne bei List

Deutschlands grösste Wanderdüne bei List

Deutschlands größte Wanderdüne bei List

Grasende Büffel

Was mir schon bei der Ankunft sehr gefallen hat, sind die mit Reet gedeckten Friesenhäuser. Manche Orte, wie etwa Kampen, bestehen fast vollständig aus Reetdach-Häusern. Wie eine Herde grasender Büffel. Dann die Dünen. Am nördlichsten Zipfel, dem Ellbogen ragen sie knapp  10 m aus dem Meer, weiter im Süden auch schon mal bis 50 m. Die höchste der Dünen, die Uwe-Düne, ist zum Aussichtspunkt ausgebaut. Eine Holztreppe führt hinauf – Bergsteigen in der Nordsee.

Wanderdüne bei List

Deutschlands größte Wanderdüne bei List

Deutschlands grösste Wanderdüne bei List

Deutschlands größte Wanderdüne bei List

Dünenlanschaft Im Sylter Norden

Dünenlandschaft im Norden

Daran kommt man nicht vorbei

Und weil so viel sportlicher Ehrgeiz hungrig und durstig macht, hat man in weiser Voraussicht überall und in kurzen Abständen Cafés eröffnet, wo es Friesentorte und Lübecker Nusstorte gibt. Oder in quasi jedem Ort, den man als solchen erkennt, eine Gosch-Station mit den berühmten Fischbrötchen. Beides prima. Also schlendere ich durch die Tage, Richy findet Fotomotive und die Möwen hoffen auf Brötchenreste.

Nach Neujahr beginnt die Rückreisewelle. Fast schon leer ist es nun – außer natürlich in Westerland.

Der Ellbogen mit Blick aufs Festland

Der Ellbogen mit Blick aufs Festland

Lands Ens am Ellbogen

Lands End am Ellbogen

Leuchtturm List-West

Leuchtturm List-West

Fazit: Sylt, eine Insel, auf der ich mich treiben lassen kann. Wo der Himmel hoch ist und die Schauer nur kurz dauern. Ungemein beliebt und zu Stoßzeiten überfüllt. Und dann wieder berührend einsam und karg.

Sylter Nordküste

Sylter Nordküste

Strandspaziergang am Abend

Strandspaziergang am Abend

Schauerwetter beim Abschied

Abendliches Schauerwetter beim Abschied

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