Kvalvika Beach

Eine der schönsten Wanderungen auf den Lofoten ist für mich jene vom Selfjord nach Kvalvika Beach.

Der Frühling auf den Lofoten ist gerade in den Sommer übergegangen, die ersten Moltebeeren reifen entlang des Wegs. Der führt zuerst über Holzstege, dann auf einem für norwegische Verhältnisse deutlichen Pfad durch ein liebliches Tal. Moor und Heide um uns herum, dann eines der auf den Lofoten seltenen Waldstücke bevor der Weg sachte ansteigt.

Kvalvika Beach

Auf Stegen durchs Moor

Kvalvika Beach

Am Markvatnet

Kvalvika Beach

Am See entlang

Baden im Nordmeer

Es ist warm und sonnig, über 25°C und das schon seit Tagen. Der Wind weht ganz leicht von Norden her. Vorgestern war einer der heißesten Tage seit Langem. Stolze 32°C zeigte das Thermometer und keine zehn Pferde hätten mich dazu bewogen, mir den Rucksack aufzusetzen und wandern zu gehen. Stattdessen habe ich einen Badetag eingelegt und mich bei Fredvang in die Fluten gestürzt – schwimmen im Eismeer, das glaubt mir keiner!

Heute dagegen ist ein angenehmer Tag zum Wandern. Vor allem, weil wir einem kleinen Bach folgen, der eine Kette von Seen speist, einen großen, den Markvatnet, und drei kleinere. Die Luft ist angenehm, die Bäume rundherum spenden Schatten.

Kvalvika Beach

Litfjortinden

Kvalvika Beach

In einer Schutzhütte

Kvalvika Beach

Blick hinunter zu den Seen

Kvalvika Beach

Wenn der Nordwind geht …

Und wieder bläst der Nordwind

Dann steigt das Gelände merklich an, der Weg wird felsiger und die Wände der uns umgebenden Berge rücken näher zusammen. Hier passieren wir einen weiteren See, den Ågotvalnet. Nur noch eine Steilstufe bis zum Joch, dann haben wir den Aufstieg bereits geschafft. Auf ziemlich genau 100 m über dem Meer breiten sich nun die Seen, an denen wir vorbeigekommen sind, wie eine Perlenschnur aus.

Das Joch empfängt uns mit einer Wolkenwand. Wie so oft bei Nordwind, verschwindet die nordwestliche Seite des Archipels in einer undurchsichtigen Wattewand. Wir haben Glück, denn der Nebel reicht nicht bis zum Boden. Vielmehr wandern wir darunter hindurch und nur die uns umgebenden Berge sind verschwunden. Die ragen links von uns 750 m steil auf und zu unserer Rechten steigt der Moltinden ebenfalls auf luftige 651 m an. Davon ist jedoch – wie gesagt – nichts zu sehen. Bis zum Wandfuß reicht der Blick, darüber endet die Welt.

Kvalvika Beach

Wenn der Nordwind geht …

Kvalvika Beach

Neblige Nordseite

Kvalvika Beach

Neblige Nordseite

Kvalvika Beach

Kvalvika Beach

Die Natur in Aufruhr

Jetzt ist es nicht mehr weit bis nach Kvalvika Beach, da hinten schimmert er schon, als plötzlich Unruhe aufkommt: Es rumpelt und kollert im Nebel über uns. Steinschlag! Ich nehme, ohne weiter darüber nachzudenken, die Beine in die Hand und renne schnell wie noch nie rechts neben mir den Hang hinauf – nur weg von den drohenden Geräuschen, zu denen das Bild fehlt. Richy neben mir macht dasselbe. Schnaufend kommen wir nach etlichen Metern zum Stehen und sehen, wie auf der anderen Talseite die Felsbrocken aus dem Nebel auftauchen und ins Gras fallen, groß wie Kühlschränke. Und weit genug weg vom Wanderweg. Wir waren also nicht in Gefahr. Naja – sicher ist sicher.

Nach einer Weile beruhigt sich mein Puls und auch vom Kjarringa sind keine Geräusche mehr zu hören. So kehren wir auf den Weg zurück und steigen die letzten Meter nach Kvalvika Beach ab.

Kvalvika Beach

Kvalvikvatnet

Kvalvika Beach

Kvalvika Beach

Kvalvika Beach

Frei-Lichtspiele

Kvalvika Beach

Der Ryten

Eine Schönheit mit Makel

Eine Schönheit, jedoch mit einer Einschränkung. Was mir schon öfter aufgefallen war, jedoch an weniger unzugänglichen Orten wohl durch die Mithilfe der Menschen vor Ort abgemildert wurde, sticht hier ins Auge. Ich bin an einem der einsamsten Strände und trotzdem liegt überall Müll herum. Angespült im Laufe von Jahren und Jahrzehnten. Plastik in allen Farben liegt zwischen Steinen, unter angespülten Planken oder einfach im Sand. Teilweise erkenne ich noch, wozu die einzelnen Stücke einmal gut waren, Netze, Fischkisten, Flaschen, Verpackungen von Lebensmitteln aus aller Welt, Plastikspielzeug. Teilweise haben die bunten Brocken jedoch aufgehört zu sprechen, sind nur noch Fremdkörper.

Der Gedanke, wieviel mehr davon noch im Meer schwimmen muss, wenn diese Masse an Plastikmüll allein an einem so kleinen Strand wie Kvalvika angespült worden ist, ist beeindruckend und erschütternd zugleich. Ich beschließe, einen Teil davon auf dem Rückweg mitzunehmen, der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein und in Zukunft bewusster als zuvor Kunststoffabfall zu vermeiden.

Kvalvika Beach

Der Nebel lichtet sich

Kvalvika Beach

Fundsache

Kvalvika Beach

Strandgut

Kvalvika Beach

Strandgut

Und dennoch ist es zauberhaft schön hier.

Inzwischen wandert die Sonne in Richtung Horizont, noch ein paar Tage und sie wird zum ersten Mal wieder untergehen. Bis dahin ist jedoch noch etwas Zeit. Solange ist es kein Problem, auch nachts noch unterwegs zu sein. Mir jedoch reicht es für heute und auch Richy hat seine Fotosafari am Strand gerade beendet. Jetzt müssen wir uns entscheiden: Laufen wir weiter am Strand entlang nach Norden und dann zwischen Moltinden und Torsfjordtinden zur Straße, die uns zum Selfjord und damit zu unserem Auto führt oder gehen wir auf demselben Weg zurück, den wir gekommen sind?

Kvalvika Beach

Halbe Sache

Kvalvika Beach

Strandmöblierung

Kvalvika Beach

Der Ryten im Spiegel

Kvalvika Beach

Auf dem Rückweg

Spuren in der Wand

Wir entscheiden uns für das Letztere. Der Nebel ist nun vollends verschwunden und ich bin neugierig zu sehen, von wo der Steinschlag kam. Die Bergwände sind wahrhaftig beeindruckend. Schroff und steil ragen sie empor. Deutlich sind die hellen Abbruchflächen des Bergsturzes hoch oben in der Wand auszumachen. Doch nun wirkt alles friedlich.

Dann über das Joch und hinunter zu den Seen. Eine Hand voll Moltebeeren noch und wir sind wieder am Auto.

Auch hier könnt ihr Abenteuer erleben:

Mitternachts auch der Floya
Der Reinebringen
Wandern auf den Lofoten

 

Kvalvika Beach

Auf dem Rückweg

Kvalvika Beach

Auf dem Rückweg

Kvalvika Beach

Auf dem Rückweg

Kvalvika Beach

Künstlerischer Verfall