Unsere Reiseapotheke

Reisezeit ist die schönste Zeit des Jahres. Was aber, wenn Du statt die Welt zu erkunden erstmal krank wirst? Hierzu, zu der perfekten Reiseapotheke und zu allen Fragen rund um Gesundheit und Reisen habe ich meine Apotheker befragt.

Eine Zusammenfassung des Interviews gibt es am Ende dieses Beitrages oder hier als PDF.
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Astrid: Wir haben uns auf „Du“ geeinigt.

Karsten: Ja, gerne.

Michaela: In Ordnung.

Man kennt das: Wochenlang freut man sich auf den Urlaub. Dann ist es endlich soweit, man ist an Ort und Stelle und plötzlich wird man dann erst einmal krank. Ist Euch so was auch schon mal passiert?

Karsten: Ja. Bei Erkältungen auf jeden Fall schon mal. Da habe ich mich bis zum Urlaub gerettet und dann gerade beim Losfahren merke ich schon beginnende Halsschmerzen. Was das begünstigt sind die Klimaanlage im Auto oder ein Wetterwechsel – und dann kommt schon eine Erkältung. Die Nase zu, Halsschmerzen, Kopfschmerzen.

Wie kann ich mich da am besten vorbereiten, damit genau so etwas nicht passiert? Denn das ist ja das Ärgerlichste während einer Reise.

Karsten: Man kann einmal schon vor dem Urlaub daran denken, dass man im Urlaub gerne fit sein möchte. Dafür kann man für das Immunsystem schon mal etwas tun. Aber auch indem man aufpasst, dass man es vor dem Urlaub nicht übertreibt und doppelt und dreifach arbeitet, nur damit man einen leeren Schreibtisch hinterlässt. Es ist auch wichtig, dass man genügend Schlaf bekommt.
Um dem Immunsystem etwas Gutes zu tun sind Zink und Vitamin C ganz probate Mittel. Gerade auch für Sportler, weil man durchs Schwitzen viel Zink verliert. Das kann der Körper schlecht speichern. Es ist ein sehr wichtiges Mineral, dass auch entscheidende Funktionen bei der Bildung von Abwehrkörpern übernimmt. Und es ist ein sehr erfolgreiches Mittel bei den ersten Anzeichen von Erkältungen. Dann nimmt man es hoch dosiert. Das heißt bis zu 25 mg Zink/Tag als Brausetabletten, Kapseln oder Lutschtabletten. Damit kann man ruhig schon vor dem Urlaub anfangen, und so vermeiden, dass man in das Loch fällt und direkt krank wird, wenn der Stress nachlässt.

Es kommt ja leider oft vor, dass man vorm Urlaub viel Stress hatte.

Karsten: Naturmittel sind da auch nie verkehrt. Zum Beispiel Ingwer, das Vitamin C aus frischen Zitronen, natürlich auch frisches Obst. Das sollte man jedoch auch nicht überschätzen. Eine gesunde Ernährung schützt einen dann letztlich auch nicht vor allen Infektionen. Aber damit kann man schon mal ein bisschen was erreichen. Die Bagatell-Sache Erkältung kann ja sehr lästig werden. Zink als Erkältungsvorbeugung gehört dann auch schon mit in die Reiseapotheke. Darüber hinaus sind Lutschtabletten für den Hals das Minimum an Erkältungsmittel, was dabei sein sollte. Dann ein  Nasenspray und Schmerzmittel – vorzugsweise Ibuprofen.

Eine gute Vorbereitung erspart manchen Verdruss

  • Stress vermeiden
  • ausreichend Schlaf
  • Zink
  • Vitamin C
  • Ingwer
  • frisches Obst
  • Magnesium
  • Sport
  • Erste-Hilfe-Kurs
  • Impfschutz überprüfen
  • Krankenstatus im Reiseland bei der Krankenkasse prüfen
  • Ärztliches Attest für manche Medikamente besorgen
  • Vorrat für eigene Medikamente anlegen
  • Reiseapotheke überprüfen, Fehlendes und Abgelaufenes ersetzen
  • Verbandsmaterial überprüfen und ersetzen

Stichwort Reiseapotheke. Was sollte da in jedem Fall drin sein. Wir haben ja jetzt schon gehört: das Erkältungsmittel. Was mir noch spontan einfallen würde, sind Verdauungsprobleme.

Karsten: Genau. Bei Magen-Darm weiß ja eigentlich jeder für sich, was für ihn wichtig ist. Es gibt da verschiedene Typen. Der eine geht auf Urlaubsreise und hat erst einmal Verstopfung. Wegen fremden Toiletten oder der langen Anfahrt. Der würde dann eher etwas Verdauungsförderndes brauchen. Das vergessen viele in der Reiseapotheke. Als erstes denken die Leute meistens eher an Durchfall. In so einem Fall braucht man dann etwas zum Stopfen. Es sei denn, es tritt auch Fieber, blutiger Durchfall und ein starkes Krankheitsgefühl auf, vielleicht auch massives Erbrechen. Dann muss man auf jeden Fall sofort einen Arzt aufsuchen. Aber wenn es nur lästig ist, dann sollte man Loperamid als Wirkstoff dabei haben. Und etwas gegen die Übelkeit – ob das jetzt Reiseübelkeit ist oder ob man z.B. mit der Fähre übersetzen muss. Das kann dann so was sein wie Vomex®. Der Vorteil an Vomex® ist, dass es nicht nur bei Magen-Darm-Verstimmungen hilft, sondern auch als Not-Schlafanstoß-Medikament wirkt. Müdigkeit ist eigentlich eine Nebenwirkung, aber der Wirkstoff war ursprünglich ein Schlafmedikament. Man hat gemerkt, dass bei Patienten, die zufällig Übelkeit hatten, diese eben auch wegging. Das heißt aber auch, wer Vomex® genommen hat, darf selber kein Fahrzeug mehr führen.

Was muss denn sonst noch auf jeden Fall in die Reiseapotheke rein? Was darf auf keiner Reise fehlen?

Michaela: Die eigenen Medikamente. Das wird oft vergessen! Zum Beispiel, wenn man Allergien hat.

Karsten: Richtig, das Notfallset für Allergiker oder Diabetiker sowie einen Notfallpass. Alle Mitglieder der Reisegruppe sollten informiert werden, was im Notfall zu unternehmen ist, wenn sich der Betroffene nicht selber helfen kann.

Michaela: Etwas gegen Schmerzen und Fieber ist auch sehr wichtig.

Karsten: Bei Schmerzen empfehle ich wieder Ibuprofen, das ist ja schon als Mittel gegen Erkältung dabei. Ein Gel gegen Allergien und Insektenstiche. Eine Salbe mit anti-bakterieller Wirkung. Das ist wichtig, angefangen vom Zehnagel, der eingewachsen ist, bis zur Blase, die aufgeht und blutet. Damit wird die Stelle desinfiziert, damit keine Infektion entsteht. Das kann man auch gebrauchen bei Sturzverletzungen. Da verwende ich ein Desinfektionsspray zum ersten Säubern falls ich kein sauberes Wasser dabei habe.

Zum Desinfizieren für einen selber?

Michaela: Für einen selber oder auch, wenn die Umgebung mal nicht so sauber ist. Auf fremden Toiletten zum Beispiel.

Karsten: Man könnte Sagrotan med® nehmen. Zur reinen Anwendung auf Wunden wäre Octensept® besser, weil es nicht brennt. Beide Mittel kann man auch zum Desinfizieren für ein WC nehmen.

Sonnenschutz und Sonnenbrand?

Karsten: Ja. Das Beste ist, wenn man erst gar keinen Sonnenbrand bekommt. Und wenn doch, hilft eine leichte kortisonhaltige Salbe. Die ist allerdings nicht für den Ganzkörpereinsatz geeignet, sondern nur für kleine Flächen, vielleicht die Schultern.

Michaela: Das hat man ja auch schon mit der Salbe gegen die Insektenstiche abgedeckt.

Karsten: Stimmt, mit der anti-allergischen Salbe. Auch gut, falls man sich mal irgendwo verbrannt hat. Am Kocher zum Beispiel…

Michaela: Das ist dann wieder eine Salbe „für alles“, damit man nicht so viel mitnehmen muss. Man will ja nicht einen zusätzlichen Koffer voller Medikamente dabei haben.

Karsten: Da nutzt natürlich Insider-Wissen: Wie kann man eine Sache für möglichst Vieles verwenden. Ibuprofen zum Beispiel: Es wirkt entzündungshemmend und schmerzstillend. Bei Sonnenbrand hat man ja Schmerzen und man hat eine Entzündungen der Haut. Das heißt, es wirkt auch da. Darauf würden die meisten nicht sofort kommen, dass bei Sonnenbrand eine Schmerztablette hilft. Macht aber Sinn. Oft dehydriert man auch bei starkem Sonnenbrand, weil man zu wenig getrunken hat. Wenn man dann Kopfschmerzen bekommt, liegt das Schmerzmittel nahe. Aber bei der Verbrennung alleine auch.

Zusammenfassend kann man also sagen, wenn man Sonnenbrand hat, wäre eine anti-allergische Salbe gut. Wenn es schlimmer ist …

Karsten: Besser ein Gel, keine Salbe. Eine Salbe fettet.

… und ansonsten Ibuprofen und ordentlich trinken.

Karsten: Viel trinken, aber auf jeden Fall viel Flüssigkeit aufnehmen.

Muskelkater?

Karsten: Ja. Magnesium. Theoretisch würde nur Magnesium reichen. Ideale Präparate wären noch mit Kalium kombiniert, was auch für den Herzmuskel besser ist. Dann kann der Körper besser das Magnesium verstoffwechseln.

Das nimmt man dann vorher?

Karsten: Ja. Es ist auch eine Maßnahme, die man vor dem Urlaub schon beginnen kann, um die Muskulatur schon ein bisschen auf die Anstrengung vorzubereiten. Bei Stress hilft Magnesium auch, weil dabei vermehrt Magnesium verbraucht wird.

Gegen den Stress könnte es ja auch helfen, dass man vorher ein bisschen Sport macht.

Karsten: Genau. Man trainiert vor dem Urlaub. Das machen ja auch nicht wenige. Man macht intensive Märsche oder man geht klettern, um sich auf eine Tour vorzubereiten. Trotzdem macht es aber auf jeden Fall Sinn, auch Magnesium mitzunehmen.

Michaela: Wir machen das auch immer.

Karsten: Ja, und ich merke das deutlich, wenn ich ein paar Tage kein Magnesium genommen habe. Wir haben da beide einen Bedarf, weil wir eben auch viel Stress haben und auch viel Sport machen. Dadurch neigt man eher mal zu Krämpfen, was durch Magnesium gelindert wird. Ich bevorzuge Präparate, in denen auch B-Vitamine drin sind. Die machen ein bisschen munter, sind gut für den Eiweiß-Stoffwechsel.

Apropos B-Vitamine. Ich habe mal gehört – aber das ist jetzt schon länger her, in den 1980er Jahren – dass B-Vitamine gegen Insekten helfen würden. Ich habe das damals ausprobiert und damit, nun ja, sagen wir mal mittelmäßigen Erfolg gehabt. Es kann auch sein, dass in dem Jahr einfach nur weniger Mücken unterwegs waren. Weiß man mittlerweile etwas drüber, ob B-Vitamine Mücken abwehren?

Karsten: Wahrscheinlich irgendein Stoffwechselprodukt, dass die Mücken nicht gerne riechen. Aber es bieten nicht so viel Schutz wie ein Repellents.

Und das Gerücht, Knoblauch oder Alkohol würde gegen Mücken helfen?

(lacht)

Karsten: Man merkt es dann nicht mehr so. Tropenerprobte Repellents sind da sinnvoller. Man sollte sowieso in mückenreichen Gebieten nicht mit nacktem Oberkörper Sport treiben, obwohl das ja auch gut aussehen kann, sondern möglichst viel bedecken. Und was frei bleibt, mit Repellents und Sonnenschutz eincremen. Für die Schlafstätte ist der beste Schutz ein Moskitonetz. Das gilt übrigens speziell für Allergiker, die nach Möglichkeit gar keine Mückenstiche bekommen sollten.

Ich war mal dienstlich in Rumänien. Davor hat man mich vor Mückenstichen gewarnt, da es dort Nilfieber gäbe. Da ich Laie bin konnte ich nicht einschätzen, ob das schlimm ist oder nicht. Jedenfalls habe ich Unmengen an Repellents verbraucht.

Karsten: Ja, das ist wichtig und wird oft unterschätzt. Man achtet auf das Malaria-Risiko bei einer Reise. Dabei kann auch ein normaler Mückenstich zu einer Infektion führen. Wenn man den aufkratzt und hat unterwegs keine saubere Umgebung, dann kann auch das eine richtig böse Infektion werden.

Michaela: Vor zwei Jahren musste ich deswegen Antibiotikum nehmen. Ein Mückenstich, nur dass der Fuß immer dicker wurde, trotz Kortisonsalbe. Da hatte sich eine richtig Bakterieninfektion rein gesetzt, wahrscheinlich durch den Speichel des Tiers. Das war keine Malaria, aber trotzdem kann sich auch aus so was eine Blutvergiftung entwickeln. Ich würde aus einer Mücke jetzt keinen Elefanten machen, aber so was kann passieren.

Karsten: Also möglichst keine Stiche kassieren.

Michaela: Repellents gibt es übrigens für die Haut und für die Kleidung.

Karsten: Das ist wiederum da interessant, wo die Insekten so aggressiv sind, dass sie sogar durch die Kleidung durchstechen. Bei uns sind das die Bremsen. Macht man sich das Zeug auf die Haut, dann setzten sie sich auf die Hose und stechen sogar durch Jeans durch. Daher die Kleidung auch immer einsprühen.

Oh ja, das ist ja auch wirklich schmerzhaft.

Karsten: Die treten ja auch gerne schwarmartig auf. Wir haben das vor Jahren mal erlebt, als wir an einem See gewandert sind. Und da kamen wirklich solche Scharen angeflogen – das war wie eine schwarze Wolke. Glücklicherweise hatten wir Picknickdecken dabei. Die haben wir uns genommen und damit rumgefuchtelt. Aber die Bremsen sind nicht von uns gewichen, bis wir irgendwann weit genug weg waren. Das war echt nicht schön.

Was gibts denn noch? Erste Hilfe?

Karsten: Das Dreieckstuch. Das ist multifunktional. Ob man jetzt seinen Sonnenhut vergessen hat – dann wickelt man es sich um den Kopf als Kopftuch. Oder man stützt damit einen Arm, der verstaucht ist oder wenn man sich die Schulter ausgekugelt hat. Notfalls bindet man damit etwas ab – einen Schlangenbiss oder eine starke Blutung.

Schlangenbisse – gibt es die in Europa überhaupt?

Michaela: Ja, in den Alpen. Die Kreuzotter und die Aspisviper. Italien, da in den Dolomiten.

Karsten: Kreuzottern sind jetzt nicht direkt unmittelbar tödlich. Das kommt dann eher auf die Konstitution an und wie schnell man einen Arzt erreicht.
Man hört selten davon, da sie wohl auch recht scheu sind. Ich kenne das vereinzelt von Bergwiesen in Norditalien, wo man Warnschilder aufgestellt hat. Wenn die Wiesen nicht gemäht sind, muss man aufpassen, dass man nicht drauf tritt. Ich habe allerdings keine gesehen. Kreuzottern im Wallis aber schon. Im Aquarium kann man sich anschauen, wie ein Schlangenterrarium aussieht. Da ist immer ein bisschen Wasser, ein bisschen Gras. Es ist schön warm.
Aber zurück zum Erste-Hilfe-Set: Man braucht etwas zum Stützen, eine feste Idealbinde, womit man ein bisschen Druck auf eine Wunde ausüben kann. Das hilft wunderbar gegen Schwellungen. Wenn man mit dem Fuß umgeknickt ist, kann der dick werden. Damit das nicht passiert, macht man einen Druckverband. Und zwar übt man mit leichtem Zug ein bisschen Druck auf das Gewebe aus, so dass es nicht so enorm anschwellen kann. Das kennst Du sicher bei Verletzung. Wenn man nichts macht – weder kühlt noch verbindet – dann hat man wochenlang Spaß, weil es dann ewig dauert. Etwa bis sich ein Bluterguss wieder zurück gebildet hat. Erste Maßnahme: hochlegen, verbinden – nicht zu feste, aber schon mit etwas Druck, damit das Gewebe einen Gegendruck bekommt und die Blutung oder was auch immer da drinnen vonstatten geht, möglichst begrenzt bleibt. Je begrenzter das bleibt, umso schneller heilt es ab. Wenn man dann wieder irgendwo ist, wo man sich schonen kann, kommt ein Schmerzgel drauf. Am besten ein kühlendes mit Ibuprofen, was zum einen die Schmerzen nimmt zum anderen die Entzündung hemmt. Heparin ist auch eine Möglichkeit, jedoch sehr umstritten, denn Heparin ist nur dazu gut, um mal einen Bluterguss zu behandeln. Das wäre dann zu viel Gepäck für zu wenig Wirkung. Aber ein Schmerzgel gehört rein in die Reiseapotheke. Auch wenn man die Gelenkt belastet beim Klettern oder die Knie weh tut vom Wandern.

Ich habe meistens Diclofenac-Gel dabei.

Karsten: Ja, darüber heißt es, dass Diclofenac ja gar nicht durch die Haut gelangt. Es ist ein geladenes Molekül. Unsere Haut kann eher fettiges aufnehmen. Das Diclofenac-Molekül ist, wie gesagt, geladen und es ist auch zu groß, um durch irgendwelche Kanäle durch zugehen. So würde es eigentlich auf der Haut liegenbleiben und in erster Linie nur einen Plazebo-Effekt  ausüben. Aber ich finde, das Voltaren® auch hilft – mir zumindest. Up to date als Empfehlung wäre also ein Ibuprofen-Gel. Das dringt besser durch die Haut und hat zumindest eine Chance, auch dahin zu kommen – oberflächlich – wo es weh tut. Wenn jetzt innen im Knie was kaputt ist, da kommt das Gel auch nicht hin. Dafür haben wir die Ibuprofen-Schmerztabletten dabei. Damit kann man von innen und von außen was machen.
Dann gehört in das Set eine Wundauflage für die Erstversorgung einer Wunde. Das sind am besten Wundschnellverbände, rundherum klebenden Pflaster. Die schließen eine Wunde gut ab, bleiben aber atmungsaktiv. Sie sind nicht wasserdicht, damit es auch nicht da drunter zu einem Feuchtigkeitsstau kommt und damit keine Bakterien drankommen, nichts reibt, nichts drankommt. Das lindert die Schmerzen sofort. Wundschnellverbände gibt es in verschiedenen Größen. Wir haben meistens die 7×8 cm und die 10×15 cm. Das reicht für die meisten Verletzungen. Das ist die schnellste Möglichkeit. Säubern, den Wundrand trocken machen. Mit sauberen Taschentüchern, das reicht aus. Es muss kein steriles Material sein. Dann das Pflaster drauf. Und falls es doch noch stärker blutet einen normalen Verband drauf. Das muss kein so festes Material sein, sondern einen normalen Verband.

Sodass man noch einen zusätzliche Wundauflage hat?

Karsten: Ja, genau. Damit es mehr aufsaugen kann. Eine Mullbinde. Dann kann man sich eigentlich sogar Kompressen sparen. Denn der Schnellverband ist ja eigentlich eine Kompresse mit zusätzlicher Klebefunktion.

Michaela: Das ist auch besser. Der Schnellverband klebt nicht so auf der Wunde. Die Kompressen sind aus ziemlich faserigem Material. Wenn man dann zwei Tage auf Wanderschaft ist, bevor man den ersten Arzt erreicht, dann ist das herrlich angeklebt. Und wenn der dann den Verband öffnet, zieht er die gerade neu gebildete Haut wieder ab. Das machen die neuen Wundschnellverbände nicht.

Karsten: Pflaster kannst Du wirklich mal zwei Tage drauf lassen. Man sollte Verbände regelmäßig wechseln. Aber wenn es nicht anders geht, sind zwei Tage okay. Die Wundschnellverbände verkleben deshalb nicht, weil sie das Wundsekret im Pflaster binden und eine so feine Struktur haben. Deswegen sind Kompressen so gesehen obsolet.

Tatsächlich sind Kompressen auch immer das gewesen, was ich aus dem Erst-Hilfe-Pack nie verwendet habe. Weil ich nie wusste, was ich damit machen soll.

Karsten: Und falls man doch eine Kompresse verwendet, kommt dick Wundsalbe drauf. Eine Bepanthensalbe, dann verklebt es nicht und man hat eine Sichtkontrolle. Darüber dann den Verband. Die Salbe verhindert das Verkleben. Sie fettet dann die Gaze. Fett und Wasser verbindet sich nicht, es stößt sich ab. Das ist dann die Alternative.
Aber Wundschnellverband ist schon das Nonplusultra. Es lohnt sich auch nicht, einen wasserdichten Verband mitzunehmen. Wenn man jetzt mit einer frischen Wunde durch einen Bachlauf durch muss – die wird einfach nass. Dann heißt es: Anhalten und Verbandswechsel. Wenn der Verband nass ist, ist das schlecht für die Wundheilung, das scheuert, das infiziert sich dann vielleicht auch durch das Bachwasser. Es gibt zwar wasserdichte Pflaster. Aber die sind nie wasserdicht. Und dann kann die Haut auch nicht darunter atmen. Man schwitzt, die Haut quillt auf. Das ist für die Heilung nicht gut.

Wie ist das bei Blasenpflastern? Die sind ja eigentlich wasserdicht.

Karsten: Das ist so ein bisschen die Ausnahme. Die sollen ja wie eine zweite Haut sein und die machen tatsächlich eine Okklusion. Aber das ist okay, weil es nur eine kleine Wunde ist. Und wenn man merkt, dass man sich etwas wund läuft, kann man ja auch noch mit Wundsalbe vorbeugen.
Dann brauchen wir noch normales Pflaster. Man könnte einfach Leukotape® nehmen. Damit kannst Du beim Klettern die Gelenke tapen. Auch eine Blase notfalls, wenn Du nichts anderes hast. Zeltstangen reparieren, Zelt abdichten – das ist für alles gut. Um einen Verband zu fixieren – sieht nicht schön aus, aber geht. Damit könnte man sogar etwas abbinden, falls man kein Dreiecktuch hat.

Das MacGyver-Werkzeug?

Karsten: Ja, das Schweizer Taschenmesser unter den Verbandssachen. Weiter eine gute Pinzette. Wenn sie gut greift, kann man sie auch als Zeckenzange verwenden. Zecken immer komplett entfernen! Ob nach links drehen oder nach rechts drehen – völlig egal. Hauptsache komplett raus und möglichst schnell. Und niemals hinten auf den Körper drücken. Weil sie dann ihr ganzes Sekret in die Wunde drückt und ihren Darminhalt. Und da drin sind die ganzen Bakterien. Man greift das Vieh schön weit unterhalb des Kopfes, ein bisschen dabei in die Haut kneifen und ganz fest die Pinzette zumachen. Dann leicht drehen, egal in welche Richtung, und dann raus ziehen. Hinterher muss man den Biss desinfizieren. Niemals auslutschen! Der Menschliche Mund strotzt vor Bakterien. Zum Schluss ein Pflaster drauf.

Ich habe immer auch noch eine Rettungsdecke dabei.

Karsten: Ja. Man kühlt schnell aus. Wenn jemand unter Schock steht, kühlt er schneller aus als normal. Auch bei 20°, wie ein Baby. Der Kreislauf läuft dann nicht richtig. Das passiert schnell. Und 3° Verlust bei der Körpertemperatur ist schon kritisch.

Und man kann sie auch im Notfall als Regenschutz verwenden oder um etwas darin zu transportieren, …

Karsten: … oder auf sich aufmerksam zu machen. Das reflektiert ja auch.

Bei meinem letzten Erste-Hilfe-Kurs war die Rettungsdecke auch ein probates Mittel gegen Gaffer. Einfach zwei von denen verpflichten, dass sie die Decke vor Patient und Ersthelfer halten. Aber das Problem hat man ja meistens nicht in der Wildnis. Da ist man dann eher froh, wenn jemand vorbeikommt und mithilft.

Karsten: Das ist überhaupt das wichtigste, dass man vor Ort jemanden findet, der sich fähig fühlt und mithilft, sich also Unterstützung holen.

Ein guter Tipp wäre dann wahrscheinlich im Vorfeld einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen.

Karsten: Auf jeden Fall. Das Wissen hat sich da auch ziemlich gewandelt. Daher immer mal wieder auffrischen. Was nichts nützt sind Beatmungsmasken. Wenn man da jemand fremdes findet, fragt man sich: Hat der Aids? Hat der Hepatitis? Ist der ekelig? Egal! Wenn man dem helfen will, dann muss man das überwinden. Trotzdem den Selbstschutz nicht vergessen – z.B. AIDS-Handschuhe! Die Masken schützen einen selbst, aber es geht nicht genug Luft da durch. Das hat dann im Endeffekt keinen Sinn.
Was man dafür mit einpacken kann, ist eine Anleitung für Erste-Hilfe- und Wiederbelebungs-Maßnahmen. In manchen Rucksäcken ist das eingenäht, in manchen Erste-Hilfe-Sets ist es drin. Sonst kann man so was im Internet finden und ausdrucken, zum Beispiel von der DRK-Seite. Dann kann man noch mal nachschauen, damit man unter Stress nichts vergisst.

Die vollständige Reiseapotheke

  • eigene Medikamente
  • gegen Erkältungen:
    – Zink
    – Lutschtabletten gegen Halsschmerzen
    – abschwellendes Nasenspray
    – Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen)
  • gegen Verdauungsprobleme:
    – etwas gegen Verstopfung
    – etwas gegen Durchfall (z.B. Imodium®)
    – etwas gegen Übelkeit (z.B. Vomex®)
  • gegen Schlafstörungen:
    – z.B. Vomex®
  • gegen Fieber, Entzündungen und Schmerzen:
    – Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen)
  • gegen Hautreizungen oder Hautinfektionen:
    – anti-allergisches Gel (z.B. Fenistil®) oder leichte kortisonhaltige Salbe (z.B. Fenihydrocort®)
    – Salbe mit anti-bakterieller Wirkung (z.B. Bepanthen Antiseptische Wundcreme®)
    – Desinfektionsspray (z.B. Octenisept®)
    – Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor
    – Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen)
    – Panthenol-Salbe
  • gegen Muskelschmerzen und Krämpfe:
    – Magnesium
    – Kalium
    – Schmerzgel mit Ibuprofen
    – Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen)
  • gegen Insektenstiche:
    – Repellents für die Haut und für die Kleidung
    – anti-allergisches Gel (z.B. Fenistil®)
    – Moskitonetz
  • Erste-Hilfe-Set
    – Dreieckstuch
    – Desinfektionsspray (z.B. Octenisept(®)
    – feste Idealbinden
    – Schmerzgel mit Ibuprofen
    – Wundschnellverbände in verschiedenen Größen (7 x 8 cm und 10 x 15 cm)
    – Papiertaschentücher
    – Mullbinden
    – Blasenpflaster
    – Pflaster zum selbst Zuschneiden
    – Schere
    – Leukotape®
    – Pinzette
    – Nadel
    – Fieberthermometer
    – Rettungsdecke
    – Schutzhandschuhe
    – Anleitung Erste-Hilfe- und Wiederbelebungsmaßnahmen
    – Tasche, Box oder Koffer als Verpackung

Ich glaube, wir haben alles an Erste-Hilfe-Sachen, oder?

Karsten: Blasenpflaster hast Du ja schon erwähnt. Dann fehlen noch normale Pflaster. Am besten zum selber Zuschneiden. Und natürlich eine Schere. Braucht man eh unterwegs, um mal eine Milchtüte auf zuschneiden, andere Verpackungen. Eine Schere ist für alles gut.

Was ist denn das minimale, was ich mitnehmen muss. Zum Beispiel, wenn ich mit leichtem Gepäck wandere und schon meine Lebensmittel und mein Wasser mitnehmen muss?

Karsten: Desinfektionsspray, Dreieckstuch, Wundschnellverband, Schmerztabletten, …

Michaela: … die eigenen Medikamente,…

Karsten: … da fällt mir ein, Thema Kühlung: Leute, die kühlpflichtige Medikamente mitnehmen müssen, müssen natürlich das Thema Kühlung überdenken. Wo sie auf Reisen sind und wie sie da kühlen können.

Michaela: Insulin kann man auch vier Wochen mal ohne Kühlung aufbewahren. Und sonst kann man vielleicht eine Kühltasche mitnehmen und sich informiert, wie lange bestimmte Medikamente außerhalb des Kühlschranks gelagert werden können.

Karsten: Und sonst nimmt man noch die individuellen Sachen mit. Du würdest ja zum Beispiel nicht auf Blasenpflaster verzichten wollen…

Sehr richtig, niemals!

Karsten: Oder jemand anderes überlegt sich vielleicht: Ich nehme den Mückenschutz mit – das wäre so eine individuelle Sache, wo jeder dann auch für sich entscheiden muss, was ihm wichtig ist.

Hüttenwanderungen, gibt es dafür noch etwas Spezielles?

Karsten: Ohrstöpsel.

Fahrradurlaub?

Karsten: Wund- und Heilsalbe vielleicht. Wenn man viel fährt – für den Allerwertesten.

Winterurlaub in den Bergen?

Michaela: Sonnenschutz auf jeden Fall.

Karsten: Und Kälteschutz fürs Gesicht und für die Lippen.

Camping?

Michaela: Mückenschutz.

Karsten: Ein Thema kann auch das Wasser sein. Ist man auf dem Zeltplatz oder in der freien Natur? Falls in der Natur, muss ich mir über Wasseraufbereitung und Wasserkonservierung Gedanken machen. Dafür gibt es dann Silbertabletten und Aktivkohlefilter.

Urlaub in Nordeuropa oder in Westeuropa?

Karsten: Keime im Wasser. Meine Eltern haben sich in Skandinavien eine Gelbsucht eingefangen. Es ist allgemein sinnvoll vor Reisen den Impfschutz zu überprüfen.

Michaela: Ganz wichtig besonders den Tetanusschutz! Nordeuropa ist auch FSME-Gebiet.

Das ist die bakterielle Hirnhautentzündung, richtig?

Karsten: Ja richtig. Wo das überall der Fall ist, kann man im Internet herausfinden.

Urlaub in Südeuropa?

Michaela:  Da ist die Sonne ein großes Thema. Schlangenbisse vielleicht auch. Keime im Wasser, man trinkt unterwegs von Bächen und in der Nähe ist eine Weide. Auch dafür wäre eine Hepatitisimpfung sinnvoll.

Kann man sich da irgendwie auf Schlangenbisse vorbereiten oder sie vermeiden?

Karsten: Nein. Schlangenbisse sind in jedem Fall eine Sache für den Arzt. Es gibt zwar Hilfsmittel, womit man das Gift aus der Wunde heraus saugen kann. Das ist aber nicht sinnvoll. Ein Schlangenbiss ist auf jeden Fall ein Notfall, wofür man einen Arzt brauch. Das Dreiecktuch oder Leukotape® wird dann gebraucht, um die Bissstelle abzubinden. Als Erstes sollte man denjenigen, der gebissen wurde, ruhig und in einer bequemen Position lagern, weil jegliche zusätzliche Bewegung und jeglicher Stress das Gift schneller verteilt. Und dann eben Abbinden.

Urlaub in Osteuropa?

Karsten: Eigentlich alles, was wir bisher gesagt haben.

Wenn man in die Tropen reist, dann rechnet man damit, dass es da bestimmte Tropenkrankheiten gibt. Gibt es so was auch in Europa? Was wäre das?

Karsten: Tetanus und Diphtherie. Tetanus ist eine ganz banale Sache. Man verletzt sich im Garten, ist nicht geimpft und kann dann eine lebensgefährliche Infektion bekommen. Das kann überall passieren.

Michaela: Das gleiche gilt für Hepatitis. Dagegen sollte man sich auch in jedem Fall impfen lassen.

Gibt es eine Möglichkeit, dass ich mich vorab länderspezifisch informiere, was mich wo erwartet?

Karsten: Am besten finde ich die Seite von CRM.de. Da geht es speziell um Reisemedizin. Es gibt einen kostenlosen Bereich, der ist schon sehr informativ. Da stehen die Einreisebestimmungen alphabetisch nach Ländern geordnet. Infos zum Klima, zu den Reisebedingungen und zu notwendigen Impfungen. Botschaftsadresse ist auch mit dabei. Also ganz nützlich.

Steht da auch, ob meine Krankenversicherung in dem Reiseland gilt?

Karsten: Das steht da leider nicht. Darüber muss man sich vorher bei der Krankenkasse erkundigen. Das ist auch ein ganz wichtiges Thema. Da denkt man meistens gar nicht drüber nach. Manche Krankenversicherungen decken zum Beispiel nur eine Reise von drei Wochen ab. Dann ist man mit Sack und Pack unterwegs und vielleicht schon gar nicht mehr versichert. Das kann bitter enden.

Michaela: In manchen Ländern muss man die Behandlung auch vorab bezahlen. In Norwegen zum Beispiel.

Karsten: Auch noch wichtig: Ein ärztliches Attest, falls man bestimmte Medikamente braucht, damit es am Zoll keine Probleme gibt.

Michaela: Bei Betäubungsmitteln braucht man das Attest. Das Mitnehmen von Medikamenten kann aber auch bei Flüssigkeiten ein Problem sein, zum Beispiel wenn ich es im Handgepäck brauche. Als Diabetiker würde ich ein Attest mitnehmen, wenn es um Flugreisen geht.

Noch mal die eigenen Medikamente. Da lege ich mir wahrscheinlich am besten vor der Reise einen Vorrat an, oder?

Karsten: Ja, unbedingt! Medikamente haben vielleicht einen anderen Namen im Reiseland oder sind nicht verfügbar. Oder man müsste dann auch erst wieder zum Arzt gehen, was man dann möglicherweise privat zahlen muss. Das kann sehr umständlich werden.

Michaela: Es ist auch wichtig, dass man die Medikamente verteilt. Meine Tochter war sehr krank, wir mussten jede Menge Medikamente  mitnehmen. Auf der Flugreise habe ich das dann verteilt. Einerseits in das Gepäck, dass ich aufgegeben habe und einen Teil in das ganz normale Handgepäck.

Karsten: Deshalb sollte man Notfallmedikamente eher doppelt mitnehmen. Wenn ein Koffer abhanden kommt, hast du sonst kein Insulin oder kein Asthmaspray, wenn Du ankommst.

Also auch lieber ein bisschen mehr mitnehmen, als man vermutlich braucht?

Michaela: Ja.

Karsten: Wichtige, dringende Notfallmedikamente gehören ins Handgepäck. Und zwar genug für die Zeit der Anreise. Der Rest kommt dann in den Koffer. Falls doch etwas fehlt muss man klären, wie es  vor Ort geregelt ist. Gibt es Apotheken? Muss man zu Ärzten gehen? Und so weiter.

Ich hab einfach mal meine Reiseapotheke mitgebracht. Das ist das, was ich normalerweise dabei habe. Jetzt bin ich gespannt, was Ihr dazu sagt.

Karsten: Schere, Pinzette, Thermometer – gut! Myrrhetinktur – bei Zahnfleischproblemen. Hast Du damit zu tun? Das wäre so eine individuelle Sache. Wenn man das weiß, sollte man genau so was auch mitnehmen. Buscopan gegen Krämpfe oder wenn man aufs Essen reagiert. Leinsamen gegen Verstopfung.

Und Salbei gegen Halsschmerzen.

Karsten: Dann haben wir hier Panthenolsalbe und Panthenol-Lippenpflege. Auch nicht zu unterschätzen, wenn man viel UV-Strahlung ausgesetzt ist, die hat einen hohen Lichtschutzfaktor. Dann ein gutes Insektenmittel. Handcreme und ein Gel gegen Insektenstiche oder Verbrennungen.

Und gegen Sonnenbrand, wenn ich mich richtig erinnere. Und das ist Heilerde.

Karsten: Okay, Heilerde (schmunzelt). Eine Alternative Sache gegen Durchfall. Statt Imodium®, wenn man weiß, davon bekomme ich sonst eine Woche lang Verstopfung. Dann nimm lieber so was. Diclofenac-Gel. Wie gesagt: Das ist okay. Du musst es jetzt nicht sofort gegen Ibuprofen-Gel austauschen.

Werde ich machen, sobald das da leer oder abgelaufen ist.

Karsten: Ah, eine Zeckenzange. Hier wäre theoretisch  die Pinzette ausreichend. Was Du nämlich mit der Zeckenzange nicht kannst, das ist Splitter zu entfernen. Mit einer guten Pinzette dagegen bekommst Du auch eine Zecke entfernt. Und Du hast wieder etwas Gewicht gespart. Beim Splitter entfernen braucht man noch eine Nadel zum Bohren. Ein bisschen einsprühen mit Desinfektionsspray, einwirken lassen und auch die Nadel einsprühen. Dann musst Du meistens erst mal die Haut ein bisschen öffnen, falls der Splitter nicht sofort herauskommt. Und dann brauchst Du etwas, womit Du gut greifen kannst. Auf keinen Fall solltest Du warten, bis der Splitter nach ein paar Wochen vielleicht von selber herauskommt.

Okay.

Karsten: Jetzt fehlen noch ganz einfache Schmerzmittel.

Moment, es geht noch weiter.

Karsten: Ah, genau. Blasenpflaster. Dann haben wir hier noch normale Pflaster, alle einzeln eingepackt. Das haben wir ja eben noch gesagt. Die sind nicht verkehrt. Ich würde allerdings immer welche zum Selberschneiden bevorzugen. Und gut kleben sollen sie. Verbrennungs-Kompressen, sogar mit Salbe. Könnte man durch einen Schnellverband mit dick Soventol® drauf ersetzten. Gut bei Verbrennungen.

Aber nicht, wenn sich die Haut schon löst.

Karsten: Genau. Solventol® kommt nur auf die unverletzte Haut. Normaler Verband. Oh ja, ganz wichtig: Aids-Handschuhe. Gerade für die Leute, die sich selber das Verbandszeug zusammenstellen und nicht ein fertiges Set kaufen. Die Handschuhe werden irgendwann porös und müssen deshalb auch regelmäßig ausgetauscht werden.
Was ist das? Hydrogel-Pflaster. Das ist übertrieben. Hydrogel-Pflaster sind sterile hydrophobe Pflaster, die nicht mit der Wunde verkleben. Da haben wir ja gesagt, man kann einen Wundschnellverband drauf machen und noch einen Verband drüber, wenn es sein muss. Und hier? Pflaster, Pflaster, Pflaster…

Ist ein ziemliches Sammelsurium geworden…

Karsten: Auch hier ab und zu mal aufs Datum schauen. Wenn es schon zehn oder zwanzig Jahre abgelaufen ist, aussortieren. Andererseits ist dass alles relativ. Man arbeitet ja auf dem Campingplatz oder in der Natur nicht unter sterilen Bedingungen. Solange es noch sauber ist, ist es immer noch besser, als nichts dabei zu haben. Aber vor einer Reise sollte man sich das Verbandszeug einfach mal ansehen und in etwas aktuelles investieren.
Lauter Mullkompressen, alle einzeln eingepackt. Da kann man im Prinzip drauf verzichten.

Okay.

Karsten: Ah, die Rettungsdecke. Die ist auf jeden Fall mal gut. Auch für Weihnachten unterm Baum. Machen ein paar meiner Kunden.
Was noch fehlt ist ein Nasenspray. Das ist gut bei Flugreisen, zum Druckausgleich. Oder – das haben auch viele – gegen eine verstopfte Nase wegen der Klimaanlage. Man kann einfach prophylaktisch vorher ein wenig Nasenspray rein sprühen, wirkt bis zu acht Stunden. Die Verbindungsröhre zwischen Nase und Ohr setzt sich gerne mal zu. Durch das Spray weiten sich die Räume, weil sich die Gefäße verengen. Die Verbindungsröhre bleibt dann offen und der Druckausgleich geht leichter. Es hilft auch, wenn man unterwegs eine Mittelohrentzündung bekommt. Da wirkt ein Nasenspray Wunder.

Ich hatte das auch schon mal erlebt, als wir mit dem Auto durch die Alpen gefahren sind. Berg hoch und runter – mir taten die Ohren weh!

Karsten: Ja genau, dabei kann das auch passieren. Gut, ich packe dann alles mal wieder ein. Die Verpackung ist natürlich auch wichtig. Die Reiseapotheke sollte so gepackt sein, dass man alles an einem Platz unterbringt. Sonst sucht man nachher an drei verschiedenen Plätzen und findet nicht sofort das, was man sucht. Sinnvollerweise packt man sich eine leichte Variante, die man auf Wanderungen mitnimmt und eine Gesamtapotheke, wo alles reinkommt, was man sonst noch so dabei hat. Und das sollte zusammen zum Beispiel in einer Arzttasche untergebracht werden.

Wenn ich beispielsweise mit dem Auto unterwegs bin, wo es nicht so auf Platz und Gewicht ankommt …

Karsten: Dabei solltest Du auch darauf achten, die Reiseapotheke nicht im Auto zu lassen, wenn es in der prallen Sonne steht, sondern sie im Zelt zwischenzulagern. In Bodennähe, wo es eventuell kühler ist, als im Auto. Und falls im Auto, dann möglichst unten.

Ich habe noch zwei letzte Fragen: Was tut man gegen Heimweh?

Karsten: Seinen gewohnten Minimal-Luxus dabei haben. Das muss man für sich selber definieren, was das ist. Der eine braucht unbedingt seine Anti-Falten-Creme, auch wenn er auf einer Wanderung sonst Gewicht einspart. Wenn einem das wichtig ist, dann muss er die mitnehmen. Den Lieblingstee.

Und gegen Fernweh?

Karsten: Eure Webseite besuchen.

Vielen Dank für das Interview.

Unsere Apotheke

Michaela und Karsten

Unsere Apotheker


Michaela Mädler

ist Apothekerin und Filialleiterin der easyApotheke in Frechen. Sie ist gerne draußen unterwegs, geht viel wandern und klettert seit vier Jahren – besonders gerne in den Alpen.

Karsten Flau
ist ebenfalls Apotheker und Inhaber der Elefanten-Apotheke in Köln. Ebenso wie Michaela klettert er gerne, jedoch schon seit 27 Jahren. In den Schweizer Alpen kennt er sich gut aus und hat dort zahlreiche Wanderungen und Hochtouren gemacht.

Zusammenfassung unserer Reiseapotheke

Eine Zusammenfassung unserer Reiseapotheke findest Du in der Info-Box unten oder lade Dir einfach das PDF dazu herunter.

Unsere Reiseapotheke als PDF herunterladen

 

Hier noch einmal die im Text benutzten Links:

Wunde Füsse
Seite des Deutschen Roten Kreuzes
Centrum für Reisemedizin-CRM
Infoseite zu Zecken

  • Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen)
  • Dreieckstuch
  • Desinfektionsspray
  • Wundschnellverbände in verschiedenen Größen (7x8cm und 10x15cm)
  • eigene Medikamente
  • Sonnenschutz
  • individuelles (z.B. Wundsalbe, Blasenpflaster, Mückenschutz, …)

zusätzlich einpacken:

  • auf Hüttenwanderungen
    – Ohrstöpsel
  • auf Fahrradtouren
    – Panthenol-Salbe
  • im Winterurlaub
    – Hautcreme
  • im Campingurlaub
    – Mückenschutz
    – Wasseraufbereiter (Silbertabletten, Wasserfilter)
  • eigene Medikamente
  • gegen Erkältungen:
    – Zink
    – Lutschtabletten gegen Halsschmerzen
    – abschwellendes Nasenspray
    – Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen)
  • gegen Verdauungsprobleme:
    – etwas gegen Verstopfung
    – etwas gegen Durchfall (z.B. Imodium®)
    – etwas gegen Übelkeit (z.B. Vomex®)
  • gegen Schlafstörungen:
    – z.B. Vomex®
  • gegen Fieber, Entzündungen und Schmerzen:
    – Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen)
  • gegen Hautreizungen oder Hautinfektionen:
    – anti-allergisches Gel (z.B. Fenistil®) oder leichte kortisonhaltige Salbe (z.B. Fenihydrocort®)
    – Salbe mit anti-bakterieller Wirkung (z.B. Bepanthen Antiseptische Wundcreme®)
    – Desinfektionsspray (z.B. Octenisept®)
    – Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor
    – Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen)
    – Panthenol-Salbe
  • gegen Muskelschmerzen und Krämpfe:
    – Magnesium
    – Kalium
    – Schmerzgel mit Ibuprofen
    – Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen)
  • gegen Insektenstiche:
    – Repellents für die Haut und für die Kleidung
    – anti-allergisches Gel (z.B. Fenistil®)
    – Moskitonetz
  • Erste-Hilfe-Set
    – Dreieckstuch
    – Desinfektionsspray (z.B. Octenisept(®)
    – feste Idealbinden
    – Schmerzgel mit Ibuprofen
    – Wundschnellverbände in verschiedenen Größen (7 x 8 cm und 10 x 15 cm)
    – Papiertaschentücher
    – Mullbinden
    – Blasenpflaster
    – Pflaster zum selbst Zuschneiden
    – Schere
    – Leukotape®
    – Pinzette
    – Nadel
    – Fieberthermometer
    – Rettungsdecke
    – Schutzhandschuhe
    – Anleitung Erste-Hilfe- und Wiederbelebungsmaßnahmen
    – Tasche, Box oder Koffer als Verpackung
  • Stress vermeiden
  • ausreichend Schlaf
  • Zink
  • Vitamin C
  • Ingwer
  • frisches Obst
  • Magnesium
  • Sport
  • Erste-Hilfe-Kurs
  • Impfschutz überprüfen
  • Krankenstatus im Reiseland bei der Krankenkasse prüfen
  • Ärztliches Attest für manche Medikamente besorgen
  • Vorrat für eigene Medikamente anlegen
  • Reiseapotheke überprüfen, Fehlendes und Abgelaufenes ersetzen
  • Verbandsmaterial überprüfen und ersetzen