Wandern auf den Lofoten

Wer noch nie in Nordnorwegen gewandert ist, der hat gute Chancen, einige unerwartete Überraschungen zu erleben. Der Norweger an sich ist ein naturverbundener Mensch, und der typische Norweger ist ein sportlicher Mensch. Dazu ist er noch geländegängig sowie genügsam. Und genauso wandert er auch.

Wandern mit dem Lineal


Einen Berg geht er fast immer direkt an, das heißt, der Weg geht schnurgerade den Hang hoch, genau auf den Gipfel zu. Hindernisse werden dabei ignoriert und überrannt, oder knapp rechtwinklig umgangen, um dann wieder die Peilung zum Gipfel aufzunehmen. Auch in der Breite haben  die Wanderwege auf den Lofoten eine eher bescheidene Ausprägung. Eine  Schuhbreite reicht völlig aus.

Mit oder ohne Weg

Diese Darstellung mag überspitzt sein, kommt den Wandertatsachen aber schon recht nahe. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten auf den Lofoten zu wandern: mit oder ohne Weg.

Viele der beschriebenen oder in Karten eingezeichneten Wanderwege (z.B. Turkart 1:50000) stellen lediglich die Möglichkeit dar, dort herlaufen zu können. Das heißt, sie garantieren nicht die Existenz eines Weges.

Ist ein Weg vorhanden, ist er in der Regel nicht markiert und er muss auch nicht zwingend durchgehend vorhanden sein. Er kann sich auf Felsplatten oder in felsigem Gelände verlieren und irgendwo wieder als Weg weitergehen. Hier brauchst Du schon ein gewisses Maß an Gespür und Phantasie um immer auf der richtigen Fährte zu bleiben.

Eindeutiger ist dagegen das Wandern im weglosen Gelände. Hier bist Du vollständig auf Deinen eigenen Geländeinstinkt angewiesen, der Dir die einfachste Möglichkeit, Dein Ziel zu erreichen, zeigt.

Das Wandern neu erleben

Wenn Du Dich jedoch auf diese Art des Wanderns einlässt, wirst Du dabei sicherlich neue Erfahrungen sammeln können. Freilich sind die Anforderungen an Dich als Wanderer vielschichtiger, als sie es auf einem durchmarkierten Premium-Panoramaweges mit Einkehrhütten im richtigen Abstand sind.

Du wirst Dich selbstkritisch hinterfragen müssen, ob Deine körperlichen Fähigkeiten – etwa die Trittsicherheit – für das zu erwartende Gelände ausreichen. Ist Dein Orientierungssinn genügend ausgeprägt, dass Du weißt, wo Du Dich befindest und wo es weitergeht, wenn es nötig ist?

Auch die Vorbereitung einer solchen Wanderung ist wesentlich komplexer als normal.
Welches Wetter ist zu erwarten? Dichter Nebel kann die Orientierung sehr spannend gestalten.
Sind Bäche zu überqueren? Bei ergiebigen Regenfällen kann das zu einem echten Problem werden. Nasse Felsplatten sind auch nicht zu verachten. Können sie vermieden oder umgangen werden?

Auf der anderen Seite steht dafür ein ganz anderer Erlebniswert. Das Wandern ist weniger konsumierend als vielmehr suchend, beurteilend und abwägend. So ist es der Weg bzw. der persönlich gefundene Weg selbst, der das Erlebnis bringt.

Wenn Du es Dir zutrauen kann, kommst Du hier voll auf Deine Kosten.

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