Ein Stativ – Brauch ich das?

Wer, wie ich, viel auf Reisen fotografiert, wird sich diese Frage bestimmt schon einmal gestellt haben. Lohnt es sich für mich ein Stativ anzuschaffen? Wer viel wandert und dabei fotografiert, wird diese Frage schon kritisch mit sich durchdiskutiert haben, denn schließlich muss man so ein Ding auch durch die Gegend schleppen. Für wen lohnt sich also die Anschaffung eines Stativs?

Diese Aussicht ist weltberühmt. Wer sie sehen will, muss auf den Reinebringen oberhalb von Reine wandern. Es ist nur logisch, dass auch ich da hinauf musste und die ganze Fotoausrüstung incl. Stativ mit. Der Weg ist eine Schinderei, zu sehen gibt es erst etwas, wenn tatsächlich der letzte Schritt auf den Gipfelgrat getan ist. Dann ist man so überwältigt, dass die Kamera erst einmal im Rucksack bleibt.
Der Einsatz des Stativs war nicht zuletzt auch eine lebenserhaltende Maßnahme, denn der Grat und der Gipfel waren sehr ausgesetzt und ich konnte mich so besser auf das Gelände konzentrieren.

Ein Stativ - Brauch ich das?

Dieses Foto entstand bei den Recherchen zu einem unserer Wanderführer. Es war von vorneherein klar, dass das Wandern im Vordergrund stand. Trotzdem mussten wir Fotos machen. Aus Zeitgründen blieb das Stativ deshalb zu Hause.

Ein Stativ hat einige Eigenschaften, die für den Fotografen sehr nützlich sind. Es nimmt dem Fotografen die Kamera aus der Hand und hält sie für ihn an einem Ort fest. Der Bildausschnitt bleibt immer gleich, weil sich die Kamera nicht bewegt, und die Kamera wackelt auch nicht. Es gibt also scharfe Bilder auch bei langen Belichtungszeiten. Gut, man könnte hier den ISO-Wert erhöhen, das hat aber zur Folge, dass die Bilder verrauschen, es sei denn, Du hast beim Kauf Deiner Kamera recht tief in die Tasche gegriffen.

Ein Stativ - Brauch ich das?

Dieses Foto ist ohne Stativ und spontan entstanden, es war nicht geplant. Ich bin an einem Bauernhof im Maltatal vorbeispaziert und habe durch Zufall dieses Motiv entdeckt. Es ist mehr als Schnappschuss entstanden.

Mit der Benutzung eines Statives fängt die Naturfotografie erst an, vorher ist es knipsen.
Das Stativ macht den Kopf frei für die Gestaltung. – Fritz Pölking

Dadurch, dass die Kamera einen festen Standplatz hat, kannst Du als Fotograf wesentlich genauer die Bildgestaltung betreiben. Die Kamera kann viel genauer ausgerichtet und der Bildausschnitt wesentlich feiner gewählt werden. Du kannst Probefotos machen, um sie auf dem Display zu beurteilen und gegebenenfalls noch Änderungen vorzunehmen. So entstehen gute Fotos. Letztlich entscheidet wieder der eigene Anspruch, den man an die Fotografie stellt, ob ein Stativ mitkommt oder nicht.

Hier waren wir auf der Suche nach einem Motiv mit Mitternachtssonne. Diese Ansicht gefiel mir sehr gut, nur war die Sonne noch hinter dem Berg (Hofen) verborgen, also Stativ aufbauen und warten.

Ich persönlich habe ein Stativ immer in folgenden Situationen dabei:

  • ich habe ein spezielles, klar umrissenes Motiv, dass ich fotografieren möchte
  • bei Langzeitbelichtungen (nachts und bei Tag mit Filter)
  • bei Panoramafotos
  • bei Belichtungsreihen (für HDR-Verarbeitung)
  • allgemein bei Situationen, die länger dauern, z.B. weil die Sonne noch zu hoch steht etc.
  • auf jeden Fall bei Aufnahmen mit geringer Tiefenschärfe z.B. Makrofotografie.
Ein Stativ - Brauch ich das?

Dass das Erreichen eines Aufnahmestandortes auch mal skurrile Formen annehmen kann, zeigt das Entstehen dieses Fotos. Einfach auf den Felsvorsprung klettern, Stativ aufbauen und los gehts, das war der Plan. Aber die Dinge sind nicht immer so einfach, wie sie scheinen – siehe das Video unten.

Der Felsabsatz war abschüssiger als erwartet und zudem sehr ungemütlich. Das Stativ verhinderte hier Muskelkrämpfe und verwackelte Fotos.

Ansonsten kann das Stativ auch schon mal zu Hause bleiben. Meine Erfahrung sagt mir aber: Immer, wenn ich das Stativ nicht mitgenommen habe, hätte ich es gut brauchen können.

 

Der zitierte Fotograf:

Fritz Pölking

 

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