Bildkomposition – Brauch ich das?

Im Prinzip ist fotografieren ganz einfach. Du hältst Deine Kamera oder Dein Smartphone vor Dich in die Luft, drückst auf den Auslöser und fertig ist das Foto. So etwa machen es letztlich auch die Profis. Die Frage, die sich jetzt stellt, ist: Warum fotografierst Du?

Möchtest Du Erinnerungen an Deine Reisen oder Urlaube festhalten, die Du Dir – gegebenenfalls mit der Familie oder engen Freunden – von Zeit zu Zeit anschaust, dann brauchst Du Dir keine allzu großen Gedanken über Bildkomposition zu machen. Der Fokus beim Betrachten der Bilder liegt  hier eher auf dem Erlebten als auf der Qualität der Fotos. Das ist ganz in Ordnung und soll hier auch kein Werturteil darstellen.

Oder möchtest Du Dich mehr mit der Fotografie beschäftigen, möchtest Du Deine Fotos einem breiteren Umfeld vorstellen, wie zB. fotocommunitiy oder Instagram etc.? Dann wirst Du Dich fragen müssen, was ein gutes Foto ausmacht.

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. – Henri Cartier-Bresson

An einem Bild sind immer zwei Leute beteiligt: der Fotograf und der Betrachter. – Ansel Adams

Was zeichnet ein gutes Foto aus?

Betrachtest Du die Fotos anderer Fotografen, werden Dir schnell Unterschiede auffallen. Von einigen Bildern wirst Du fasziniert sein, andere wirst Du gut oder weniger gut finden, während es auch Fotos gibt, die Du gar nicht wahrnimmst, weil sie für Dich bedeutungslos sind. Woran liegt das?

Wie wir oben gelesen haben, sind an einem Foto immer zwei Parteien beteiligt: Der Fotograf und der Betrachter. Damit der Betrachter von einem Foto begeistert sein kann, muss er das Foto verstehen können; Fotograf und Betrachter müssen quasi dieselbe Sprache sprechen.
Ein Element dieser Sprache ist die Bildkomposition. Es hat sich gezeigt, dass der Aufbau eines Bildes – in der Malerei wie in der Fotografie – unterschiedlich harmonisch auf Menschen wirkt, je nachdem, wie die Bildelemente zueinander angeordnet sind. Daraus haben sich einige grundsätzliche Gestaltungsregeln entwickelt: Der goldene Schnitt, die Drittelregel, die dynamische Symmetrie oder auch die obere und untere harmonische Linie sind Beispiele dafür.

Fotografieren bedeutet den Kopf, das Auge und das Herz auf dieselbe Visierlinie zu bringen. Es ist eine Art zu leben. – Henri Cartier-Bresson

Komposition ist ein Mittel, nicht ein Ende, und die vollkommenste Komposition rechtfertigt nicht ein belangloses Bild. Komposition ist ein Werkzeug, um den Eindruck des Bildes zu steigern. Vorausgesetzt, dass Bildinhalt und fototechnische Behandlung gleichwertig sind, macht ein gut komponiertes Foto einen stärkeren Eindruck als eines mit schwacher Komposition. Das ist das ganze Geheimnis. – Andreas Feininger

Du darfst diese Regeln aber nicht als eine Art Checkliste missverstehen, der man einfach folgen kann, sondern die Gestaltung eines guten Fotos ist immer auch ein ganzheitlicher Prozess.
Ein gutes Foto ist die Kombination aus dem Motiv, der „richtigen“ Anordnung der einzelnen Bildelemente (sprich, dem richtigen Aufnahmestandort) und der technischen Ausführung (Schärfe, richtige Belichtung). Das ist nun ein sehr persönlicher Prozess. Durch die individuelle Kombination der drei Komponenten kannst Du Deinen Fotos eine ganz persönliche, wiedererkennbare Note geben.

Wer als Anfänger die Gestaltungsregeln der Fotografie ignoriert, hat keinen Verstand. Wer sich aber fotolebenslang daran klammert, hat keine Phantasie. – Detlev Motz

Das Wissen um die Gestaltungsmittel sollte total verinnerlicht sein und bei der praktischen Arbeit aus dem Unterbewusstsein, also sozusagen aus dem Bauch heraus Einfluss nehmen. – Harald Mante

Die Kunst der Bildkomposition besteht nun darin, ein Bild mit dem „Auge“ der Kamera zu sehen. Das menschliche Gehirn nimmt die Umgebung anders wahr, als das Kameraobjektiv. Es kann unerwünschte Dinge aus der Wahrnehmung herausfiltern, eine Eigenschaft, die die Kamera nicht hat. Du musst also lernen mit den Augen Deiner Kamera zu sehen. Das erfordert viel Übung. Dabei können Dich die Regeln der Bildgestaltung unterstützen.

Die Drittel-Regel, der goldene Schnitt, Vorder-, Mittel- und Hintergrundgestaltung, Linienführung, Schärfeverlauf, Wahl der Brennweite sind dabei hilfreiche Werkzeuge für ein gutes Foto.
Hast Du die Regeln erst einmal verinnerlicht, bist Du in der Lage, damit zu spielen.
Wenn Du die Regeln beherrschst, kannst Du sie auch wieder brechen.

Das Licht ist die Sprache, die Bildkomposition die Grammatik, mit der Du als Fotograf dem Betrachter Deine Geschichten erzählst.

Es gibt nur eine Regel in der Fotografie: Entwickle niemals einen Film in Hünchensuppe. – Freeman Patterson

Bildkomposition - brauch ich das?