Die Grotta Mangiapane

Um mich herum ist es dämmerig und kühl. Alles, was mich umgibt, hat die Anmutung des vergangenen Jahrhunderts und drängt sich auf engstem Raum zusammen. Ich besuche mit Richy die Grotta Mangiapane im Süden des Monte Cofano.

 

In der Grotta Mangiapane

Draußen leuchtet die Sonne und die Zitronenbäume stehen in voller Blüte. Bestes Badewetter eigentlich. Ich kenne Sizilien nur in der „kalten“ Jahreszeit, was bedeutet, dass ich an kalten Tagen eine Strickjacke über mein T-Shirt ziehe und sonst die rund 20°C genieße, die mir persönlich völlig reichen. Sizilien im Sommer, so erzählte man mir, ist ein Glutofen. Ist staubig, die Luft flirrt. Wer kann, fährt an die Küste, setzt sich in den Schatten, bewegt sich tagsüber so wenig, wie nur möglich. Und ernährt sich tagsüber von Granita – gefrorenem und zerstoßenem Kaffee oder Zitronensaft.

Da verwundert mich gar nicht, dass die Familie Mangiapane um 1819 auf die Idee kam, in der Grotte bei dem kleinen Ort Scurati ein Dorf mit allem Pi-Pa-Po zu bauen. Fünf kleine Häuschen, Ställe und sogar eine improvisierte Kapelle finden Platz in der Höhle, die zwar mit einer Höhe von 70 m und einer Tiefe von immerhin 50 m recht geräumig ist, jedoch das Dörfchen mal eben so aufnimmt.

Grotta Mangiapane
Grotta Mangiapane
Grotta Mangiapane

Leben auf beengtem Raum

Es muss eine drangvolle Enge geherrscht haben. Mir kaum vorstellbar, die ich am liebsten Weite und Freiheit um mich herum habe. Dennoch finde ich es spannend mich hier auf die Zeitreise zu begeben und den alten Zeiten auf Sizilien nachzuspüren. Denn die Grotta Mangiapane beherbergt mittlerweile ein Freilichtmuseum, ein ganz kleines. Vor der Höhle stehen weitere Häuschen, sind Felder und Gärten angelegt. Zwischen allem stolzieren Hühner und prächtige Hähne, die wissen, dass sie hier das Hausrecht haben und – na klar – ein Anrecht darauf von allen Besuchern gefüttert zu werden.

Nachdem der Ort um 1950 aufgegeben wurde, bewahrte zuerst seine prähistorische Vergangenheit Mangiapane vor dem Zerfall. Denn Archäologen fanden nicht nur Tierknochen, sondern auch Werkzeuge aus Feuerstein und sogar Höhlenmalereien, die eindeutig aus der Steinzeit stammen. Es war also auch schon unseren Vorfahren im Sommer zu warm.

Grotta Mangiapane
Grotta Mangiapane
Grotta Mangiapane

Grotta Mangiapane – Museum und Veranstaltungsort

Heutzutage kann man nicht nur das Museumsdorf für kleines Geld besuchen. Eine ebenfalls besonders lohnenswerte Attraktion ist das historische Krippenspiel, das jedes Jahr um die Weihnachtstage in der Höhle veranstaltet wird.

Muss ich mir auch unbedingt mal ansehen. Allerdings habe ich die Feier so gerade eben mal wieder verpasst! Alle, die ich frage, schwärmen davon: Die Musik! Die Beleuchtung mit Fackeln und Öllämpchen! Diese Stimmung! Allein über 160 Laiendarsteller, die zum Teil noch althergebrachte Handwerke beherrschen, erschaffen die Illusion, dass man 100 Jahre in die Vergangenheit versetzt ist. Und überall gibt es Häppchen traditionell zubereiteter Speisen. Hört sich toll an.

Dafür haben wir heute die Höhle ganz für uns alleine und können nach Herzenslust stöbern. Der nette Mann am Eingang bietet uns auch eine kleine Führung an. Nur dumm, dass mein Italienisch nicht weit genug reicht – ich verstehe leider gerade mal die Hälfte. Aber mit Händen und Füßen bin ich nachher trotzdem über alles im Bilde.

Dann fröstelt es mich. Wieder raus in die Sonne. Die Grotta Mangiapane kann ich nur empfehlen, die ist einen Ausflug wert.

 

Infos zur Grotta Mangiapane:

Tourismo Trapani
Wonder of Sicily

Unternehmungen in der Nähe:

Wanderung auf den Monte Cofano
San Vito lo Capo

Grotta Mangiapane
Grotta Mangiapane
Grotta Mangiapane
Grotta Mangiapane