Buchempfehlungen für die Färöer-Inseln

Wie genau der Plan entstand, auf die Färöer-Inseln zu fahren? Ich weiß es nicht mehr genau. Jedenfalls kann ich nicht behaupten, auch nur annähernd eine Idee gehabt zu haben, was mich dort erwarten wird, als ich schon anfing, mich auf die Reise zu freuen. Ein bisschen neugierig bin ich dann schon. Daher gibt es drei Bücher, die mir die Vorfreude noch vergrößert haben und die mir unterwegs gute Dienste leisteten. Die möchte ich Dir daher gerne vorstellen.

Vater und Sohn unterwegs, Heðin Brú

Beginne ich mit dem ältesten Buch – was nicht die ganze Wahrheit ist. „Vater und Sohn unterwegs“ ist ein Roman, einer der ersten überhaupt, die in färingischer Sprache erschienen sind. Und zwar im Jahr 1940. Du lernst den Fischer Ketil und seinen Sohn Kálvur kennen. Beide leben ein ursprüngliches färingisches Leben in einer ursprünglichen färingischen Inselwelt, während sich in ihrem Beisein langsam aber sicher die Welt wandelt.
Als Heðin Brú, der eigentlich Hans Jacob Jacobsen hieß, seinen Roman schrieb, waren die Färöer-Inseln noch ein weitgehend abgelegener Flecken, kaum von dem berührt, was man als „Fortschritt“ bezeichnen mag. Ein Leben dort ist auch heute noch entbehrungsreich und, wie mir öfter berichtet wurde, gerade im Winter schwer zu ertragen. Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass es heute noch viele Inselbewohner gibt, die ihr Schicksal mit solcher Selbstverständlichkeit hinnehmen würden, wie es offenbar zu Ketils und Kálvurs Zeit üblich war.
Daher war ich auch zuerst ein bisschen befremdet, als ich zu lesen begann. Was für Dramen, welche Ungerechtigkeiten! Auch die Sprache war mir zuerst mehr als ungewohnt. In der Rückschau bin ich jedoch begeistert. Denn nicht der Mensch lenkt, wenn man sich so tief in der Natur befindet. Um die Färöer ein wenig verstehen zu lernen, ist dies ein wichtiges Buch – beispielsweise wenn Du feststellst, dass Dir das Wetter bei Deinen Unternehmungen einen Strich durch die Rechnung macht.

Hilf- und aufschlussreich fand ich auch den Glossar, der die im Buch erwähnten Selbstverständlichkeiten der alten färingischen Lebensweise erklärt. Über die Kathegorie des „Draußensterbewetters“, dass es in der Färöischen Sprache gibt, habe ich mich amüsiert, bis mir von davonfliegenden Häusern im Winter berichtet wurde.
Und warum habe ich zu Anfang behauptet habe, dass ich nicht die Wahrheit sage, wenn ich mit dem ältesten Buch anfange? Nun, weil es in der wunderbaren Übersetzung ins Deutsche von Richard Kölbl erst 2015 erschienen ist. Allerhöchste Zeit möchte ich meinen und eine echte Empfehlung!

Vater und Sohn unterwegs, Heðin Brú
Aus dem Färöischen von
Richard Kölbl
Nachwort von Klaus Böldl
ISBN 978-3-945370-03-2
Guggolz Verlag

Vater und Sohn im Guggolz Verlag

Buchempfehlungen für die Färöer-Inseln

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Die fernen Inseln, Klaus Böldl

Ebenfalls aus einer fernen, längst vergangenen Zeit stammt „Die fernen Inseln“ von Klaus Böldl. Sein Bericht über eine Reise nach Island und auf die Färöer ist zwar erst 15 Jahre alt, jedoch liegen zwischen den Färöern damals und heute Welten.
Als Erlebnisbericht und Innenschau beschreibt der Autor in sehr poetischen Worten, wie er sich an einem der für ihn entlegensten Orte der Welt wiederfindet – zwar in der Neuzeit angekommen, jedoch auch träumerisch rückwärts gewandt und melancholisch.

Dieses Buch habe ich erst unterwegs begonnen. Ich musste oft schmunzeln, denn beinahe nichts, was der Autor als halbfertig, trostlos oder fatalistisch liegengelassen beschrieben hat, ist heute noch so zu finden.
Tunnel, deren Bau vorzeitig beendet wurden und der „niemals mehr aufgenommen [wurde]“, sind mittlerweile fertiggestellt. Straßen, die „im Nichts enden“ zu Ende geführt und geteert. Bauruinen? Abblätternde Farbe? Tristesse? Ja sicher, auch dass finde ich heute auf den Inseln, aber nicht häufiger als anderswo.

So ist dieser sehr persönliche Bericht wie ein weiteres Fenster in die Vergangenheit und daher – eben weil sich inzwischen so viel gewandelt hat – ein weiteres Puzzlestück, um dem Ort und seinen Menschen näher zu kommen.

Die fernen Inseln, Klaus Böldl
ISBN 978-3-596-15792-1
Fischer Verlag

Die fernen Inseln im Fischer Verlag

Buchempfehlungen für die Färöer-Inseln

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Färöer, Alexander Wachter

Handfest und praktisch ist dagegen meine dritte Empfehlung, der Reiseführer „Färöer“ aus der Edition Elch. Alexander Wachter gibt hierin eine gute Übersicht über alles, was eine Reise auf die Färöer-Inseln heute ausmachen kann. Schön gegliedert habe ich hier viel über die Kultur, Geschichte, die Lebensbedingungen und das Wetter sowie über die Tier- und Pflanzenwelt erfahren.

Wunderbar sind auch die vielen wirklich guten Fotos, die Lust auf die Reise und das Entdecken machen. Einzeln werden die Inseln, die besucht werden können, beschrieben – immer wieder garniert mit Anekdoten und kleinen Geschichten. Auf zwölf Routen – gut für Auto, Motorrad oder Fahrrad geeignet – und 14 Wanderungen lässt sich dank der lebhaften Beschreibungen (fast) die ganze Inselwelt erkunden.

Der Detailreichtum zeigt deutlich, dass sich der Autor gut auf den Inseln auskennt und großen Anspruch an seine Recherche gelegt hat.

Das Buch ist gerade erst 2018 erschienen, die Infos daher taufrisch. Erfahrungen musst Du selber sammeln. Mit diesem Buch jedenfalls findest Du auch die dafür lohnendsten Plätze.

Färöer
Alexander Wachter
ISBN 978-3-937452-33-3
Edition Elch

Färöer in der Edition Elch

Buchempfehlungen für die Färöer-Inseln